Frau Steffen und das Fliwatüüt (1) 

Tag X:Ich hege Leidenschaften. Zum Beispiel für Schokolade, für knackige Männerhintern und für Lack und Leder. Nicht in dieser Reihenfolge und letzteres auch erst seit Kurzem. Manche Affinitäten entwickeln sich halt erst im Alter, im fortgesetzten sozusagen. Und das kam so. Ich war auf der Suche nach einem Ersatz. Ersatz für mein treues Wägelchen, das mich 12 Jahre lang unermüdlich und zuverlässig durch halb Europa geschaukelt hat, am meisten allerdings durch die Niederungen rund um den Rhein. So langsam entwickelte das Schätzeken ein paar Altersallüren. Mal knackte es hier, mal da, der Stellmotor für die Klimaanlage links verweigerte im Laufe des letzten Sommers so ganz seinen Dienst. Die Delle rechts hinten schien von selber Falten zu werfen und an der Ampel kam die Kiste so langsam aus dem Kreuz wie ich selbst morgens aus den Federn. Zeit sich zu trennen, so leid es mir auch tat. “Frau Steffen und das Fliwatüüt (1) “ weiterlesen

Der Klodeckel-Dozent

Begegnungen sind freiwillig. Oder auch nicht. Diese war freiwillig. Deshalb kann ich mich nicht beschweren. 

 

Zu beschwert war offensichtlich aber unser vor nicht allzu langer Zeit neu erworbener Toilettendeckel. Die Reklamation gestaltete sich 10-mailig und 6-telefonatig schwierig nach dem Motto „Da ich nicht weiß, was die Ursache für die defekten Toilettensitzdeckelpuffer ist, kann ich Ihnen leider auch keinen kostenlosen Ersatz liefern.“  

 

Ich lege Wert auf höflichen Umgang und Sachlichkeit. Aber irgendwann hatte ich den Papp auf! Und zwar so richtig! 

 

Kennen Sie Frauen, wenn sie giften? Wenn die Stimme zwei Oktaven über normal null ansetzt und sich tief in die Ohrwindung des Gegenübers schrillt? Ich hasse solche Stimmen. Leider war es an der Zeit, sie selber einzusetzen, § 438 BGB zu zitieren und das Wort „Rechtsanwältin“ ins Spiel zu bringen.  

 

Zwei Tage später stand ein Mitarbeiter eines bekannten Keramikherstellers vor der Tür.  

 

„Die Puffer Ihres Toilettensitzdeckels sind geborsten.“  

 

„Richtig!“ Der Mann war ein Schnellmerker.  “Sagen Sie mal, setzen Sie sich etwa auf den Toilettendeckel?“ 

 

HALLO? „Selbstverständlich setze ich mich auf den Toilettendeckel. Was glauben Sie was passiert, wenn ich mir morgens den rechten Fuß auf dem linken Bein hüpfend eincremen würde, mit dem anderen schon eingecremten Fuß auf den Fliesen abrutsche, mit dem Kopf gegen die Badewannenkante pralle und beim Festhalten noch die beiden Handtuchhalter abreiße? Dann das ganze Blut, der ausgerenkte Lendenwirbel, die Prellung des Oberschenkels und der lockere Schneidezahn? Man müsste den Krankenwagen rufen. Und weil das Kind dann nicht ins Bad kann, kommt es direkt zu spät zur Schule. Das gibt wieder einen Strich. Hatten Sie früher viele Striche im Klassenbuch? Sowas will doch kein Mensch!“ 

Der Keramikfachabteilungsaußendienstmitarbeiter schaut mich an. Lange. Ein Punkt für mich. Glaube ich.

 

„Dann ist ja alles klar.“ Der Mann gibt sich unbeeindruckt. Ein Punkt für ihn.

 

„Was ist klar?“ 

 

„Dass die Puffer defekt sind. Man darf sich nämlich nicht auf den Toilettendeckel setzen. Setzen Sie sich nie auf einen Toilettendeckel! Sie glauben nicht, was das für Verletzungen geben kann. Ich habe sowas schon gesehen und das sah nicht schön aus.“ 

 

Ach Du heiliger Strohsack. Der Mann hat also schon Sachen gesehen, die ich weder sehen, noch mir vorstellen, noch selber erleben möchte. 

 

„Hörsenma, das gibt’s doch gar nicht, dass man sich nicht auf einen Klodeckel setzen soll. Das macht jeder und wenn es nur für den kurzen Badezimmersmalltalk ist. Und außerdem legt man ja wohl ein Handtuch unter, oder?“ 

 

Und auch das gibt’s doch gar nicht. Ich lasse mich mit Mr. Klo-Profi doch wirklich auf eine Diskussion ein, was man darf und wenn ja wie. Gleich diskutiere ich mit ihm noch die perfekte Haltung beim Fußnägellackieren. Ich hab‘ se doch nicht mehr alle. Der soll den Deckel austauschen und gut ist. Aber so einfach komme ich nicht davon.

 

„Ich rate Ihnen wirklich dringend davon ab, sich auf einen Klodeckel zu setzen. In Europa gibt es mittlerweile nur noch zwei Lieferanten von Kunststoffdeckeln und Vollholzdeckel werden per se nicht mehr hergestellt. Auf die kann man sich setzen. Nicht aber auf die in Europa fabrizierten.“ 

 

„Auf Sardinien gibt’s noch Vollholzdeckel.“ 

 

„Dann müssen Sie auswandern.“ 

 

Mir reicht’s. Ich bitte Herrn Dr. W.C. Spülung den mitgebrachten Sitz auszutauschen. Mein Tag ist noch lang und ich wollte mir an sich gleich noch die Fußnägel lackieren, auf dem Toilettendeckel sitzend. Aber das verrate ich ihm nicht. 

 

Der Mann geht ans Werk, professionell. Zumindest kniet er mal nieder. Wenigstens diese Geste als kleines Entgegenkommen für die vielen Mails, Telefonate und ungewollten Klositztechnikbelehrungen lasse ich mir gefallen. 

 

„Und mit was reinigen Sie Ihr WC denn so?“

 

Wie ich derartige Fragen hasse. Das geht den Kerl doch sowas von gar nichts an.  

 

„Wieso?“ 

 

„Schauen Sie doch mal hier. Hier setzt sich so langsam ein hellgelber Rand ab. Das kommt davon, wenn man nach dem Reinigen den Deckel wieder zuklappt. Die Dämpfe des Reinigungsmittels steigen auf und setzen sich langsam auf dem Kunststoff fest. Ich schätze Sie reinigen mit Essigreiniger.“ 

 

Eines muss ich sagen. Der Kerl hat’s drauf.  

 

„Also, nach dem Reinigen das Klo erst mal lüften. Und die Scharniere, die dürfen Sie aber auf gar keinen Fall mit Essigreiniger putzen. Das lässt sie langsam korrodieren. Sehen Sie hier. Er zeigt mir nach der Demontage einen grünen Rand UNTER den Scharnieren. Da dürfen Sie nur mit milder Seifenlauge dran. Und nehmen Sie ja nie etwas, was aufgesprüht wird. Das muss immer mit ganz viel Wasser abgebraust werden, sonst zerfrisst es die Scharniere von innen. Und Sie brauchen was gegen Bakterien, aber das wissen Sie ja.“ 

 

Weiß ich nicht. Ein regelmäßig geputztes Klo braucht kein kill-all-keims. 

 

Ich lasse ihn dozieren. Er hat ja sicherlich recht. Er kennt sich aus und das Klo ist sein Ding. Meins nicht, außer zum Sitzen.  

 

Er schraubt und rückt und spült und lässt den Deckel auf- und zuploppen. Dann besieht er sich sein Werk. Perfekt. Muss man ihm lassen. Und so schön neu.  

 

„Und am besten stellen Sie sich dann demnächst hier ein einen Badezimmerhocker hin, auf den Sie sich setzen können.“ 

 

Der Mann ist voller Ideen. Klasse! 

 

Ich unterschreibe ihm seinen Laufzettel, wünsche gute Fahrt und bedanke mich artig. 

 

Dann atme ich auf. 

 

Als ich wieder nach oben komme, sehe ich wie unser Kater mit einem geschmeidigen Satz auf das WC springt. Er setzt sich, dreht sich zu mir und guckt kokett. 

Und damit ist Sitzen beschlossene Sache!

 

 

Text und Fotos: ©Andrea Steffen

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36 Grad

… und es wird noch heißer!

5.00 Uhr – 24°C – Außerordentliche Hitzebettflucht, Vögel zwitschern, kühle Dusche, trällere selbst.

Tiriliiii!

5.30 Uhr – 24,5°C – Kaffee? Ja, Eiskaffee! Und 10 Liter Wasser! Ach was. 20 Liter! Vögel verstummt, ich auch.

6.00 Uhr – 25°C – Zeitungsbote beatmet, dann Zeitung als Fächer benutzt, Buchstaben um die Ohren gehauen. Cool.

Wedel!   “36 Grad” weiterlesen

Schneisen fräsen

Arbeitsteilung ist eine gute Sache. In der Ehe sowieso. Im Garten auch.

Bei uns gilt:
Rasen – er, Rest – ich!

 

Rasen ist folglich nicht mein Ding. Ich weigere mich. Was nicht funktioniert, wenn er mal nicht da ist und das satte Grün wie bekloppt im Sekundentakt wuchert, weil Mann es morgens vertikutiert, gelüftet, geharkt, mittags gedüngt, gehätschelt, gegossen und nachts bei Mondschein esotherisch mit einer Mischung aus ökologisch astreinem Weizen und biosphärischem Hopfen bequatscht hat. Glaube ich zumindest.
Deshalb muss ich ran und der Rasen auch. Also am besten gegen Abend, wenn alle sowieso vor der Aktuellen Stunde hocken und warten, dass Mutti die Schnittchen auftischt. Dachte ich zumindest.
Das Gefährt, welches den Rasen cutten soll, ist schnell aus dem Winterschlaf in der Gartenlaube schnitttauglich gemacht. Geht doch. Ginge noch besser, wenn man auch die Außensteckdose angeschaltet hätte. Na ja, jeder Anfang ist schwer.
Jetzt ist Multitasking gefragt. Kann ich. Knopf drücken, Hebel ziehen, Scheren auf Touren kommen lassen, Hebel weiterhalten, losschieben. Eine satte gerade Bahn mitten durch die Rasenfläche geschnitten. GEIL!

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Neulich im Baumarkt

Sven Plöger hatte strahlenden Sonnenschein für den kommenden Vormittag versprochen, ein Grund also früh aus den Federn zu steigen und als eine der ersten im Baumarkt aufzuschlagen. „Das hat den Vorteil, dass sämtliche Baumarktfachkräfte für meine kompetenten Fragen zur Verfügung stehen“, dachte ich. Also fuhr ich den ersten Baumarkt in der nächstgrößeren Stadt an und sang dabei Yipeah-ya-ya-yippeah-yippeah-yeah. 
Normalerweise ist so ein Baumarkt ja ein zweites Zuhause für alle Hobby-Bastler, Muss-Handwerker, Häuslebauer und Kellerfriemler. So auch heute. Die waren doch tatsächlich vor mir da. Und beobachteten gespannt, wie ich diesen Riesentross von Einkaufswagen mit einer Ladefläche von 1 m x 2,50 aus der dafür vorgesehenen Parkbox manövrierte. Rückwärts. Diese blöden Dinger könnten auch mal mit einer Einpark- bzw. diesem Fall einer Ausparkhilfe ausgestattet sein. Nachdem ich nur zwei menschliche, männliche Füße der Größe 47 in Medicus-Tretern touchiert und einen Pflanzkübel umgefahren hatte, konnte es losgehen.

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