Summerblues

Wenn der Sommer ein Herbst ist, wird das plötzlich zum Thema, das für mich nie eines ist: Das Wetter.

Eine für den Sonntag geplante Radtour endet in Fußpflege, Gesichtspackungen, Dusche schrubben und der Herstellung von Bananeneis, das keiner will, weil draußen 14°C sind und der Regen querschießt.

 

Ich könnte Mails beantworten, aber die Worte, die nicht so richtig kommen wollen, fühlen sich klamm an. Das will ich keinem antun. 

 

Während der Löffel ins ungeliebte Bananeneis taucht, sucht der Blick durch die Tropfen am Fenster einen Weg nach draußen. Gegenüber auf dem Kellerschacht sitzt unser Kater und guckt erstaunlich zufrieden. Er wärmt sich den Hintern an der heißen Abluft des Wäschetrockners aus dem Nachbarhaus. Zumindest das lässt mich grinsen. 

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Meine holländische Seelenschaukel (2)

Foto: Pixelio, Daroom
„Schön-schön, dann leihen wir direkt morgen früh mal Räder aus. Wie wäre es diesmal mit einem Tandem?“ Der Gatte guckt erwartungsvoll. 

 

„Was, Tandem, wieso Tandem? Nee!“
„Wieso nee?“
„Nee also, also…also… das ist ja so groß und schwer und stell Dir vor, das kippt mal um. Genau auf eine holländische Katze drauf. Die ist dann tot. Also für sowas möchte ich nicht verantwortlich sein.“
„Aha, ich habe zwar hier noch keine einzige Katze gesehen, aber das ist natürlich ein Argument.“
„Und dann wäre das mit dem Lenken ja nicht so dolle, Du weißt selbst, wo ich manchmal hinlenke und das mit nur einem Rad. Und dann liegen wir samt Tandem verletzt in den Dünen rum, bluten und keiner merkt das und unser Kind wächst alleine auf.“  

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Tore & Tequila

Ich habe keine Ahnung von Fußball, wirklich keine, noch nie gehabt. Und ich gucke auch nicht gerne Fußball, also meistens. Wenn überhaupt, dann am liebsten zusammen mit meiner Tochter. Die spielt Fußball, hat Ahnung und ist noch jung, aber weiblichen Geschlechts, was bei der Verfolgung eines Fußballspiels von erheblicher Bedeutung ist.

 

Fußballspiele laufen dann normalerweise ungefähr so ab. Tüte Chips zwischen uns, Füße hoch und den Ton abstellen, denn der Kommentator nervt im Normalfall sowieso. Selber kommentieren macht mehr Spaß. Alle Spieler, die wir nicht auf Anhieb erkennen, bekommen zur besseren Unterscheidung erst mal Namen verpasst: Schweinslocke, Wadenkrampf, Viagra und Pläte sind nur einige Beispiele. „Guck‘ mal der da, der hat die Stulpen bis fast an die Hüftknochen gezerrt, wie Opa Kruse damals nach seiner Venen-OP.“ „Kind, früher gab’s kürzere Hosen und kürzere Stulpen. Das war irgendwie netter.“ „Gomez nimmt ganz bestimmt 3-Wetter-Taft. Selbst wenn der köpft, sitzt die Frisur wie angegossen.“

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Meine holländische Seelenschaukel (1)

„Schön, total schön, Domburg ist einfach nur schön.“ So das Urteil all derer, denen vorsorglich mitgeteilt wurde, man wäre mal für eine Woche Seeluft schnuppern, Salz atmen und Haut und Herz in die hoffentlich vorhandene Sonne halten. 
Um es vorab zu sagen: Alle, die mir vorgeschwärmt hatten, haben Recht. Domburg ist total schön! So schön, dass man gar nicht drüber schreiben muss, sondern eigentlich bloß schweigend genießen kann – in etwa so: 

 

 

Mit den Augen Wellenreiten
mit nackten Füßen feuchten Sand spuren
Dünengras mit den Fingerspitzen streicheln
mit dem Herz in den Sonnenuntergang tauchen
die Zehen in sonnetrockenen Sand bohren
vom Fahrtwind den Schweiß trocknen lassen

 

den Gaumen mit Kippeling und Weißwein kitzeln

die Haare vom Westwind zausen lassen
knieftief durch eiskaltes Meerwasser staksen
den Blick von Poller zu Poller hüpfen lassen
sehr lang sehr still schauend stehen
den Körper sonnenwarmem Sand überlassen

vorsichtig die Fußsohlen über Muscheln wischen

mit der Nase nach Salzluft schnappen
das Gesicht in den Gegenwind lehnen
die Lungen voll Jodluft tanken
und alles einfach mal loslassen

Leitplanken

 

Ein Jahr ist es her, dass ich diesen Text schrieb, ein ganzes langes Jahr:

 

Gute Idee. Eine Woche Türkei im Oktober. Dann ist es dort noch schön warm, aber nicht mehr zu heiß. Nur wir beide. Das machen wir. Aber du wirst viel an ihn erinnert werden. Das ist dir doch klar, besonders in Side. Du willst dir also seinen Ring verkleinern lassen und als Vorsteckring für deinen Ehering nutzen. Ich denke, das hätte ihm gefallen. Dann ist er auch so immer bei dir. Ja, mach‘ das.

 

Shoppen in Düsseldorf? Klar, da kann man bestens shoppen. Sicher kenn‘ ich mich da ein bisschen aus. Können wir machen. Aber irgendwann habe ich noch diese Tagung, zwei Tage in Sprockhövel, ich gucke mal eben in den Kalender. Ach, das passt schon.

 

Du, ich habe gerade frische Erdbeeren gekauft. Wenn du dann nachher kommst, dann mache ich uns dazu Waffeln und Vanilleeis und Sahne. Das volle Programm, Kalorien wie bekloppt! Das wäre was für ihn gewesen, der er immer so gerne gegessen hat. Weißt du noch … seinen Kartoffelsalat? Unübertroffen! Durfte bei keiner Feier fehlen. Hast du das Rezept? Ach so, das war immer frei Schnauze. Schade. Und die Reibeplätzchen. Wie lieb er immer unsere komplette Küche mit Zeitungspapier ausgekleidet hat. Merle hat mal 10 Stück von den Dingern verdrückt. Ich werd’ nie vergessen, wie sie pappsatt dasaß, aussah wie ein Buddha und sich nicht mehr rühren konnte. Ein Bild für die Götter. Und wie er sich darüber gefreut hat. Alleine das war’s schon wert. 

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