Surprise! Surprise! 

Mitbringsel aus Down Under

Der Laptop stand aufgeklappt und bereit zum Skypen auf dem Wohnzimmertisch. So ist das, wenn das Kind im Ausland weilt. Man verabredet sich für ein Pläuschen via Internet. Gut ein Stündchen noch versuchen, die Augen möglichst offen zu halten und geistig wach zu bleiben. Wer weiß, wann sich die nächste Gelegenheit ergibt. 

Als es an der Tür klingelt, gehe ich davon aus, dass ein Nachbar noch eine Frage zur bevorstehenden Eigentümerversammlung hat oder in irgendeinem Haushalt mal wieder ein Ei fehlt. Stattdessen stehen Freunde unserer Tochter vor der Tür. „Wir sind mit Merle verabredet!“ „Wie kommt Ihr darauf? Die ist doch noch in Australien. Sie kommt exakt am 06.06. um 19.45 Uhr in Düsseldorf an.“ „Komisch, wir waren aber verabredet.“ In diesem Moment springt wie das Kaninchen aus dem Zylinder mein im fernen Melbourne gewähntes Kind in die Türöffnung.

Fata Morgana? Zuviel Zucker? Zuviel Kaffee, Wein, Stress? Siegfried und Roy – auferstanden in Willich? Halluzinationen? 3D-Drucker?  

 

Nein, sie ist es wirklich. Ich lasse sie gar nicht mehr los und muss mich immer wieder versichern, dass sie es wirklich ist.
Vollkommen blöde Aussagen kommen mir über die Lippen wie „Der Kühlschrank ist aber leer“ oder „Dein Bett ist nicht gemacht“ oder „Wir wollten doch fertig renoviert haben, ehe Du kommst“ und „Ich wollte Dich mit Plakaten empfangen und eine Überraschungsparty sollte es auch geben.“ 
Sagen wir so: Die Überraschung ist IHR gelungen.
Es war eine lange, lange Nacht und seitdem reden wir und reden und reden und lachen und lachen und drücken uns und reden wieder … über australische und deutsche Flüchtlingspolitik, über deutsches Bier und deutsches Brot und australischen Wein, über Zukunftspläne und Trichternetzspinnen im Busch, über Sozialkompetenz, über Verantwortung und Eigenständigkeit, über Sky Diving, über Kohle, Konsum und Kerle, über die nächste Party und wie man eine Orange anflemmt, um einem Cocktail eine bestimmte Nuance zu verleihen, über den nächsten Friseurbesuch, über Freunde, die bekloppten Kater und wie sich Heimweh anfühlt und Sehnsucht und Glück und wie die Perspektiven sich ändern und was Wertschätzung bedeutet und was wirklich zählt…. und … und … und…
Am nächsten Morgen fahre ich sie direkt zum ersten Date. Aus dem Autoradio ertönt die Seitenbacher-Werbung und der Nachbar mit dem witzigen Haarkranz und Hund kommt uns mit der Brötchentüte entgegen. Ihr Kommentar „Hammer, alles wie gehabt hier!“
Nicht ganz! Alles ein bisschen schöner, humorvoller, chaotischer und lebendiger jetzt wieder!
Text und Foto: ©Andrea Steffen

Hinterm Horizont – Down under Teil 7

 

Eine der zwölf Aposteln an der Great Ocean Road

Als ich die türkis-blaue Bluse aus dem Koffer hole, weiß ich, dass es funktioniert. Die Bluse, gekauft weil sie mich an die Farben des Meeres erinnert, tut genau das: ich sehe das Meer vor mir. 

Einen Großteil unserer Reise ging es an der Küste entlang. Ich war schon oft am Meer, an verschiedenen Meeren, liebe das Meer und doch hat das in Australien eine andere Dimension. Dahinter kommt nämlich ganz ganz lange Zeit nichts. Ich stehe am Strand und kriege das ehrlich gesagt nicht auf die Kette.

12 Apostels – Great Ocean Road
Es gibt Strände in Australien, die sind 90 Meilen lang und hier läuft das Meer ungebremst aufs Land auf. Links und rechts verliert sich der hellgelbe breite, feste und extrem glatte Sandstreifen im leicht dunstigen Blau und geradeaus zieht ein scharfer Schnitt die Grenze zwischen hellblauem Himmel und tief dunkelblauem Meer. Kein Schiff, keine Insel, noch nicht mal ein Surfer. Nur Horizont.

Ich folge dieser Himmel-Meer-Grenze mit den Augen Richtung Strand und aus der schnurgeraden Linie erheben sich seichte Wogen, die sich immer näher zum Land zu riesigen Wellenbergen aufbauen. Da ist eine Wucht dahinter, eine Kraft, die einem wenn man bloß bis zur Hüfte ins Meer watet, die Füße wegzieht. Ich stehe da und denke „Wie geht das?“ Ja, ja, da war mal was mit Mondanziehung und Tide und logisch ist das ganz sicher, aber wenn man direkt davor steht, dann ist dieses Perpetum Mobile der Natur einfach ein großes Wunder.

Ein bisschen fachsimpeln, ehe man sich in die Fluten stürzt

 

Das Meer an der Great Ocean Road ist eisig kalt. Hier schnappen sich Anwälte und Dozenten in Neoprenanzügen ihre Surfboards von den Autodächern auf der Suche nach der perfekten Welle noch vor Morgengrauen. Wenn man Glück hat, gibt es am Strand eine Bude der Lifeguards, die bis max. 17 Uhr ernsthaft ihrem Dienst mit Fernglas und Flüstertüte nachgehen. Danach ist man auf sich gestellt. Geschwommen wird kaum, max. geplanscht und auch das oft nur im schützenden Neopren. An der ganzen Küste rund um Melbourne finden sich immer wieder einsame Strände, vereinzelte Möwen kreuzen mal den Weg und das war’s auch schon. Ich bin im Paradies.
Fundstücke an einsamen Stränden

 

Fundstücke an belebten Stränden

Die Strände rund um Sydney dagegen sind fast ein Kulturschock. Na klar, es ist Ferienzeit, Hochsaison, die Menschen tummeln sich im Wasser und an Land. Dafür ist das Wasser schön warm, hat fast Badewannentemperatur und sehen und gesehen werden wird hier lustvoll zelebriert. Das war mal interessant, ohne Zweifel, aber uns zieht es dann doch weiter in ruhigere Gefilde.

Famous Bondi Beach

Die Cold Coast ist ähnlich umtriebig, aber die Buchten sind weitläufiger, kilometerlang. Hier ist genug Platz für alle. Surfers Paradise muss man einfach gesehen haben. Auf der ellenlangen Promenade steppt der Bär, im Hintergrund eine Reihe von Hotel-Wolkenkratzern wie in einer Metropole und am Strand ist ein kleiner Bereich mit Fähnchen für die Schwimmer freigegeben. Wer sich außerhalb dieses Bereichs in die Fluten stürzt, wird auch schon mal mit dem Megaphone zurück gepfiffen. Die Lifeguards nehmen ihren Job ernst, verhelfen ihren Anweisungen Nachdruck, in dem sie mit ihren Pickups ans Wasser fahren und Leute dort rausholen. Links und rechts neben dem Schwimmerbereich wird gesurft, andere sitzen am Strand, fachsimpeln über die beste Bretterform und Tageszeit zum Surfen, cremen sich die Nasen mit Sunblocker ein, während daneben ein Vater mit seinen Kindern Wassertümpel buddelt. Sitzen und gucken, gucken und sitzen, sich ein bisschen sonnen und Fotos schießen und dann einfach mal 5 km in die eine Richtung laufen und 5 km wieder zurück. Herrlich!

Life guard on duty

Die Sunshine Coast rund um Brisbane ist dann wieder viel ruhiger. Unser Domizil am Peregian Beach ist nur einen Steinwurf vom 18 km langen Strand entfernt. Nach links oder rechts? Egal! Hauptsache gehen. Der Sand ist fest, der Strand ist breit und flach, die Wellen donnern mit Macht ans Ufer und kein Mensch außer uns ist zu sehen. Auf dem Rückweg begegnen uns zwei “Silver Surfer”, Taucherflossen und sowas wie ein Miniboard in der Hand. „Extremely busy today, isn’t it?“ scherzt einer von ihnen. Wir kommen ins Gespräch. Sie machen das täglich, nach draußen schwimmen mit den Flossen als Hilfe und sich dann mit dieser Art Fluke von den Wellen wieder an Land spülen lassen.

Surfers Paradise

Einmal mehr taste ich mit den Augen diese schnurgerade Linie zwischen Himmel und Wasser ab und denke „Respekt!“ Mir selbst reicht das Hüpfen und ein bisschen juchzen, wenn mich Landratte mal wieder eine Welle von den Beinen holt und mir eine Nasenspülung verpasst.

Herrlich einsamer Peregian Beach

Man muss wohl hier aufgewachsen sein, um das Meer so zu genießen wie die beiden drahtigen Mittsechziger. Die langen Strandspaziergänge sind mir genug, ein paar Muscheln zu sammeln und mit der Kamera Möven zu jagen und der Ohrwurm, der mich dauerhaft an der Küste begleitet.

Fortsetzung folgt

Text und Fotos: ©Andrea Steffen

Shop till you drop – Down Under Teil 6

 

Das schönste Shoppingcenter der Welt – QVB
32 kg Freigepäck hört sich jetzt nach richtig viel an. Ist es auch, wenn man nach Australien reist. Ist es aber nicht, wenn man wieder nach Hause kommt. Diese überaus logische Schlussfolgerung erlangte ich bereits in Melbourne beim ersten Rundgang gleich nach Ankunft. In Australien gibt es alles, was man auch sonst auf der Welt findet, nur … irgendwie cooler, witziger und wenn man wie ich Einzelstücke liebt, dann ist man in Australien genau richtig.

 

Hut tut gut!

Es gibt Dinge, ohne die man in Australien einfach nicht auskommt. Das erste ist ein anständiger Sonnenhut. Schon während der ersten Tage wird klar, dass mein Basecap, das mir bis dato als ausreichend erschien eben das in down under nicht ist. Auch Nacken und Ohren wollen beschattet sein. Hüte gibt’s in Australien wie Sand am Meer. So hat man die Qual der Wahl. Ach ja, manchmal ist es doch schön sich selbst zu quälen ;-).

Gleiches gilt für Flipflops, ein Muss. Und wo sonst sollte man sie auch kaufen als in Good Old Australia. Die Australier gehen häufig barfuß und im Laufe des Urlaubs tue ich es ihnen gleich, zumindest in den Cottages, auf der Veranda, über Rasen, Sand sowieso, aber da hört es auch schon auf. Während Australier leichtfüßig über knallheißen Asphalt laufen, ihre Zehen an Felsen klammern und lockerflockig steinige Parkplätze queren, sieht der barfüßige Selbstversuch bei mir nach verletzter Ente mit grobem Hüftschaden aus. Also her mit den Flip-Flops. Die sog. Havannas sind mega-in, wie ich von meiner Tochter erfahre. Trendy und cool, aber ein bisschen eintönig und zur Vermeidung des Entengangs auch ein bisschen dünn für meinen Geschmack. Also entscheide ich mich direkt für orange-melierte Treter, passt auch besser zum Bikini. Erst etwas später wird mir klar, dass ich im Normalfall nicht in Bikini und Flipflops rumlaufen würde, sondern das nur in Australien tue, weil mich hier eh niemand kennt. Aber na ja, nicht jede Shoppingentscheidung ist eine vernunftgesteuerte.

Wer hier nicht fündig wird, ist selber schuld

Natürlich gilt es auch Souvenirs mitzubringen: kleine Keramikkunstwerke mit Aborigini-Mustern, Perlenarmbänder von einem fliegenden Händler am Straßenrand, ein Top auf dem „Bondi Beach“ steht (gibt’s nirgends sonst zu kaufen als genau in den Läden dort!), eine Badetasche in pink mit bestickten Muscheln, 3 Paar Flipflops für 10 Dollar (yeah!), Schlüsselanhänger mit Kuschel-Koala, luftige Schals mit Meeresmotiven. Grandios! Ich liebe es meine Lieben zu beschenken.

QVB – Architektonisch ein Traum
Neben entzückenden Vintageläden voller Couches im Stil der 50iger, Flatterkleidern, halbdurchsichtigen Spitzenblusen, 70iger Jahre Hippie-Ketten und perlenbestickten, knallrosa Plüschbezügen für Sofakissen gibt es natürlich die absoluten Edelboutiquen und Designer-Shops. Eine der edelsten und abgefahrendsten Shoppingmeilen ever befindet sich in Sydney im Queen Victoria Building.

 

Die Kuppel des QVB
Edle Stuckarbeiten

Vertreten sind sämtliche Designer von Welt und wer sich dafür hält. Aber das ist nicht das Entscheidende. Das Gebäude selbst ist schlichtweg das schönste Shoppingcenter, das mir je untergekommen ist. Ursprünglich diente das 1898 erbaute und bis 1910 durch eine Werft betriebene Gebäude als Markthalle, verfiel danach zusehends, erfuhr in den 80igern eine gelungene Sanierung und ist seitdem Shopping Hot Spot No. 1.

Kunstvolle Buntglas-Fenster

Lichtdurchflutete Galerien, viktorianische Friese, opulente Stuckarbeiten, eine imposante Buntglas-Kuppel unter der zur Weihnachtszeit ein passgenau aufgestellter Weihnachtsbaum bis fast an die Decke ragt, verspielte Geländer, verwinkelte Treppenaufgänge, Fensterrosetten aus Buntglas – unmöglich beim ersten Besuch das alles zu erfassen. Das Auge schwelgt. Die Auslagen in den Schaufenstern sind nicht ausgezeichnet, eben weil sie so ausgezeichnet sind. Hier kauft der Tourist nicht, hier schaut er nur.

In Montville reiht sich ein Lädchen ans andere

Fündig für den eigenen Bedarf werde ich eigentlich überall. Okay, das ist jetzt nicht wirklich neu. In einer kleinen Boutique fast unmittelbar am Strand erstehe ich eine Bluse, die mich immer an die Farben der tasmanischen See erinnern wird. Die Verkäuferin hat sichtlich Spaß an meiner Entscheidung. „Sweetheart, this colour fits perfectly to you eyes.“ Und ich glaube ihr, dass sie es nicht nur wegen der Geldscheine sagt, die mit einem lauten Kling in ihrer urzeitlichen Kasse verschwinden.

In Kangaroo-Valley entdecke ich mannshohe, aus Metallplatten gestaltete Känguru-Skulpturen, die ich sofort haben und in den Garten stellen will. Leider sind sie von der Stadt aufgestellt, unverkäuflich und die Verschiffung hätte vermutlich einen Monatslohn verschlungen. Ich leide! Ein bisschen! Und gehe dann in den Laden hinter dem Kunstwerk und kaufe entzückende Glitzer-Ohrringe für mein schönes Kind, damit es in den Discos Sydneys noch ein bisschen heller strahlt.
Must have für den heimischen Garten
Die letzten Dollar in bar fließen in ein paar Zehensandalen mit Blumen, sonnig, sommerlich und zudem bequem. Und sagen wir mal so: Wenn ein Laden „Venus Calling“ heißt, dann ist das doch ein klares Signal an mich als Frau, oder? Ich erstehe ein Crinkle-Kleid in Grüntönen und so wandert ein Stück Regenwald mit in den Koffer.

 

Bilder, Gespräche, Begegnungen, Gerüche sind wundervolle Erinnerungen, aber es ist auch schön ein Stück Leben mit nach Hause zu nehmen, das ich auf der Haut tragen kann.

 

Fortsetzung folgt

 

Text und Fotos: ©Andrea Steffen

 

 

Viechzeugs – Down under – Teil 5

Der Erstkontakt mit einem typischen australischen tierischen Bewohner fand unmittelbar nach dem Verlassen der Großstadt statt. Am schon durch Patrick Swayze und Keanu Reevesbekannten Bells Beach lief mir eine Ameise über den Weg. Aber was für eine! Rot und ungefähr so lang wie mein Daumen. Ich habe auf eine nähere Bekanntschaft verzichtet. Die Ameise auch.

 

Erst mal eine Runde chillen

Der nächste Kontakt war ein eher gemächlicher. An der Great Ocean Road hocken zum Beispiel die kleinen knopfäugigen Koalas sehr touristenfreundlich an einem Rastplatz in den Eukalyptusbäumen, mümmeln Eukalyptusblätter und bewegen sich nur in Zeitlupe, was den Fotografen freut. Die rund 20 Sorten Eukalyptus, von denen sich die Jungs und Mädels ernähren, liefern nämlich viel zu wenig Energie, um sich länger als vier Stunden täglich mit den wirklich essentiellen Aufgaben des Lebens zu beschäftigen: Fressen und Fortpflanzung. Das stammt nicht von mir. Sowas lernt man z.B. hier. Normalerweise sind die putzigen Kuscheltiere, die natürlich keine Bären sondern Beuteltiere sind, in den landesläufig Gum Trees genannten Eukalypten nicht so einfach auszumachen. Dreißig Meter hohe Eukalypten sind nämlich keine Seltenheit in down under. Eukalyptus soll ja desinfizierend wirken. Bei Koalas allerdings habe ich so meine Bedenken, denn wenn sie weder schlafen oder gerade essen, dann kratzen sie sich und die Vermutung von Parasiten liegt nahe.

Eine sehr sonderbare Spezies sind Kängurus. Da sie in Halls Gap im D’Altons Resort praktisch zum Hausstand gehören, konnten wir sie von der Veranda unseres Cottages wunderbar beobachten. Besonders morgens und am späten Nachmittag kamen sie aus dem Busch, um sich entweder einen sonderbar harmlosen Boxkampf zu liefern oder höchst entspannt wie ein Römer auf dem Divan liegend  auf der Wiese zu fläzen und dabei hin und wieder einen Grashalm zu naschen. Dabei wird der vor Ehrfurcht erstarrte Tourist angeblinzelt als wollte es sagen „Easy going – that’s the Aussie way of life“. Gehüpft wird eher im Notfall. Bequemer ist doch diese Haltung im 4-Füßler-Stand mit dem Schwanz als zusätzlichem Halt. Und in dieser Haltung wird sich äsend dann gemächlich fortbewegt. Ich hab’s versucht. Mein Ding ist das nicht.

Immer schön entspannt bleiben

Den Kängurus sehr ähnlich, aber wesentlich kleiner und scheuer sind Wallabies. Waren sie mal da, waren sie direkt wieder weg. Vor die Linse habe ich keines gekriegt.

Nicht ganz so scheu sind Emus, die auch in Halls Gap über die Straße marschieren, allerdings hektisch links und rechts gucken und auch schnell im Busch wieder verschwunden waren.

Ganz im Gegenteil dazu sind die Scharen von sulphur crested cacadoos, die die Baumwipfel bevölkern und dabei ein Spektakel veranstalten, das einem Hören und Sehen vergeht. Mitunter sind sie sogar sehr zutraulich. Ebenso die Loris oder Rosellas, die teilweise sogar Vogelfutter aus der Hand fressen und auf der Schulter landen. Aber hier gilt und daran haben wir uns immer gehalten „Keep wild life wild.“

Action an der Futterstelle von Gipsy Point

Woran ich mich auch gehalten habe und was mich noch heute ärgert, ist das Fotoverbot während der Penguin Parade auf Phillip Island. Also nicht wegen der Pinguine, die mich wirklich beeindruckt haben, wie sie nach Sonnenuntergang in kleinen Gruppen über den Strand watscheln, sich die Dünen hochkämpfen und anschließend ihre Küken versorgen, um sich am nächsten Tag frühmorgens unisono wieder in die Fluten zu stürzen zur Futtersuche. Nein, eher wegen des schönsten Sonnenuntergangs meines Lebens. Na gut, ist auf der ureigenen Festplatte gespeichert.

Sehr witzig war auch die Begegnung mit wilden Truthähnen, die sich bei Regen gerne mal auf die Veranda unseres Cottages geflüchtet haben, dabei unter der von mir belegten Hängematte durchmarschierten, unbedarft Platz neben dem Gasgrill nahmen, ihr Gefieder trockneten und erst wieder abzogen, als der Regen nachließ.

Gefühlte 1,80 m lang (na gut, eher 1,20 m)

In meinem Leben nicht vergessen werde ich wohl dieses Riesenvieh von Echse. Sieht aus wie ein Waran und bewegt sich auch so. Da denkt man sich nichts Besonderes, steuert auf einen der üblichen Lookouts zu und trifft dann plötzlich auf dieses Urviech, das dem Präkambrium zu entstammen scheint. Die Warnung des Gatten, die Viecher seien nicht ungefährlich habe ich natürlich in den Wind geschlagen. Nichts wie mit der Kamera hinterher. Nachgelesen habe ich dann, dass in Australien mehr Echsen leben als sonst auf der Welt und … dass sie Fleischfresser sind und auch menschliche Füße zum Frühstück nicht verschmähen. Und in der Tat war das dann wohl ein Riesenwaran, dem wir über den Weg gelaufen sind. Glück gehabt … also auch wegen der Füße.

Sonnenbad, bevor es wieder ins Wasser geht

 
Wahnsinnig flink sind die sog. Water Dragons (Wasseragamen). Sie flitzen mit bis zu 100 km/h sogar übers Wasser. Und Bekanntschaft mit einer Kragenechse habe ich auch gemacht. Und als die dann den Kragen so ein wenig hochgestellt hatte, wusste ich … die mag bestimmt auch Flipflops … mit Füßen wahrscheinlich..

 

Auf keinen Fall – aber wirklich auf gar keinen Fall!!! – vergessen darf ich die allerwichtigste Spezies in Australien überhaupt: die Glühwürmchen von North Tamborine. Was wir nämlich hier landläufig als Glühwürmchen bezeichnen sind in Wahrheit sogenannte ganz und gar gewöhnliche „fireflys“. Echte Glühwürmchen können gar nicht fliegen. Sie sind im Puppenstadium befindliche Fliegen, die in feuchten dunklen Höhlen sitzen, ihre Beute durch ihr glühendes Hinterteil anlocken, um sie anschließend in einem Spinnennetz ähnlichen Geflecht zu fangen und zu verspeisen. Raffiniert! Die in den Glow Worm Cavesbeschäftigten Biologen behaupten denn auch, diese australischen Raritäten wären unermesslich wichtig für Forschung und Technik, produziert so ein Würmchen nun mal seine eigene Disco-Beleuchtung. Wie auch immer, es war dunkel, es war feucht, die Würmchen nur wenige Millimeter groß und natürlich braucht die Welt genau diese Art von Enthusiasten, die von selbst leuchtende Larven für die größte natürliche Errungenschaft unseres Universums halten. Trotzdem gebe ich zu, dass ich lieber einen Wombat zu Gesicht bekommen hätte.

 

Künstliche Glühwürmchenhöhle von North Tamborine

Wombats sind nachaktive Tiere von der Größe eines Frischlings, aber unseren Nagern ähnlich. Am liebsten fressen sie Gras und Grünzeugs und buddeln dafür in der Erde rum. Man nennt sie auch „bulldozer of the night“. Also sieht man sie nicht, höchstens nachts, wenn man nicht schläft und auf die Pirsch geht. Das habe ich getan, allerdings nach Cocktails in Sydney. Ich habe viele Nachtaktive getroffen, aber keinen Wombat. Man kann nicht alles haben.

Außer man kauft es sich … so als kleiner Hinweis, was Euch im nächsten Beitrag erwartet.

Fortsetzung folgt

 

Text und Fotos: ©Andrea Steffen

Linseröm* – Down under – Teil 4

Ganz nach dem Aussie-Motto „No worries“ ist Autofahren in down under eine recht entspannte Angelegenheit. Nun gut, sehen wir mal von den ersten Fahrten im Linksverkehr mitten durch Melbourne ab, wo der Göttergatte innerhalb von fünf Minuten gleich fünf massive Verkehrsvergehen beging, die in Deutschland in Summe vermutlich zum sofortigen Führerscheinentzug geführt hätten.

Anarchie im Straßenverkehr! Juchhu! Der revolutionäre Teil meiner deutschen Beamtenseele frohlockt.

Unsere Pracht-Karosse

Aber abgesehen von der leicht hektischen Anfangsphase macht es Spaß. Spätestens am zweiten Tag wollte ich auch mal ans Steuer, zumal der Leihwagen gar kein Leihwagen war, sondern ein Schiff!

Ein Riesenteil mit Schnick und Schnack, locker mal zwei Nummern zu groß für unsere kleine Reisegruppe, so auch nicht gebucht, so aber bekommen. Nun denn, ehe ich mich schlagen lassen, fahre ich doch auch mal SUV. Was heißt fahren? Eher so … segeln … gleiten.

Die auf der Landstraße vorgeschriebenen 100 km/h sind allerdings leicht überschritten. Da muss man schon ein bisschen aufpassen. Oder wird auch mal von der auf der Gegenseite parkenden Polizei angeblinkt.

Bremsen, Honey, bremsen!
Und zu schnell sollte man eh nicht sein, da man sonst die Kängurus am Wegesrand leicht übersieht. In der Tat hüpfen die manchmal recht unmotiviert über die Straße. Die Schilder die vor „crossing wildlife“ warnen, haben ganz offensichtlich ihre Bewandtnis, so oft wie wir Kängurus oder auch Wombats am Straßenrand haben liegen sehen, was wie ich finde, eine makabre, aber auch äußert gelungene Überleitung zum nächsten Thema ist.

 

 *Rheinisch für „links herum“ und Gegenteil von reseröm 🙂

 

Fortsetzung folgt

 

Text und Fotos: ©Andrea Steffen