Windstille

 

 

Nur noch eine kleine Anhöhe. Die Schafe liegen im morgennassen Gras, mahlen mit ihren Unterkiefern und beäugen uns. Direkt daneben mit der Kruppe gen Meer eine große Herde Shettys, allesamt dunkelbraun, ruhig wie ein Scherenschnitt. Ein ganz leichter Frühnebel liegt noch auf dem Grünstreifen zwischen Weiden und Dünen und als der Schwarm schnatternder Gänse im Landeanflug im weichen Grau verschwindet, kriecht eine Gänsehaut mein Rückgrat rauf. „The Fog“ lässt grüßen. 

 

Aber schon ein paar Schritte weiter oben am höchsten Punkt der Düne ist diese Gefühl wie weggewischt. Die See liegt glatt zu unserem Füßen, der Strand lang und breit. Es ist Ebbe, auch an Menschen. 

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Meine holländische Seelenschaukel (2)

Foto: Pixelio, Daroom
„Schön-schön, dann leihen wir direkt morgen früh mal Räder aus. Wie wäre es diesmal mit einem Tandem?“ Der Gatte guckt erwartungsvoll. 

 

„Was, Tandem, wieso Tandem? Nee!“
„Wieso nee?“
„Nee also, also…also… das ist ja so groß und schwer und stell Dir vor, das kippt mal um. Genau auf eine holländische Katze drauf. Die ist dann tot. Also für sowas möchte ich nicht verantwortlich sein.“
„Aha, ich habe zwar hier noch keine einzige Katze gesehen, aber das ist natürlich ein Argument.“
„Und dann wäre das mit dem Lenken ja nicht so dolle, Du weißt selbst, wo ich manchmal hinlenke und das mit nur einem Rad. Und dann liegen wir samt Tandem verletzt in den Dünen rum, bluten und keiner merkt das und unser Kind wächst alleine auf.“  

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Meine holländische Seelenschaukel (1)

„Schön, total schön, Domburg ist einfach nur schön.“ So das Urteil all derer, denen vorsorglich mitgeteilt wurde, man wäre mal für eine Woche Seeluft schnuppern, Salz atmen und Haut und Herz in die hoffentlich vorhandene Sonne halten. 
Um es vorab zu sagen: Alle, die mir vorgeschwärmt hatten, haben Recht. Domburg ist total schön! So schön, dass man gar nicht drüber schreiben muss, sondern eigentlich bloß schweigend genießen kann – in etwa so: 

 

 

Mit den Augen Wellenreiten
mit nackten Füßen feuchten Sand spuren
Dünengras mit den Fingerspitzen streicheln
mit dem Herz in den Sonnenuntergang tauchen
die Zehen in sonnetrockenen Sand bohren
vom Fahrtwind den Schweiß trocknen lassen

 

den Gaumen mit Kippeling und Weißwein kitzeln

die Haare vom Westwind zausen lassen
knieftief durch eiskaltes Meerwasser staksen
den Blick von Poller zu Poller hüpfen lassen
sehr lang sehr still schauend stehen
den Körper sonnenwarmem Sand überlassen

vorsichtig die Fußsohlen über Muscheln wischen

mit der Nase nach Salzluft schnappen
das Gesicht in den Gegenwind lehnen
die Lungen voll Jodluft tanken
und alles einfach mal loslassen