Geistesblitze…

… ereignen sich immer dann, wenn man sie gar nicht erwartet oder man sehr entspannt ist und dadurch zu faul, sie in irgendeiner Weise festzuhalten.

Beispiel? Unter der Dusche. Bis ich fertig entschäumt und abgetrocknet bin, hat sich der Gedanke oft wieder verflüchtigt.

Abends kurz vor dem Einschlafen: Jetzt wieder aufstehen, Stift und Blatt zücken? Och nö! Und am nächsten Morgen hat sich die Wahnsinnsidee, die alle Zeit für Frieden auf Erden sorgen würde oder den CO2-Ausstoß eines Kohlekraftwerks auf null reduziert, leider in Luft aufgelöst.

Nicht so letzten Samstag beim Abschmücken der Weihnachtsdeko. Da ereilte mich die äußerst praktische Idee, die ich der Welt keinesfalls vorenthalten will. “Geistesblitze…” weiterlesen

Weihnachten is nich!

 

Weihnachten fällt aus. Dieses Jahr jedenfalls. Irgendwie logisch bei 35°C im Regenwald. Oder?  

Adventszeit fällt auch aus. Macht doch keinen Sinn, wenn man nur die Hälfte der Zeit da ist. Oder? 

Als es kürzlich klingelte und Volker vor der Tür stand, um wie jedes Jahr seinen Lions-Adventskalender an die Frau zu bringen, habe ich das erste Mal seit rund 15 Jahren mit dem Kopf geschüttelt. Lohnt nicht dieses Mal. Wir sind ja bald weg.

Und schmücken kann ich mir auch sparen. Oder?

Aber ohne Kerzen in der dunklen Jahreszeit? Geht irgendwie doch nicht. Also eine schöne Schale mit jeder Mengen Teelichtern bestückt. Das wärmt … Auge und Gemüt. 

Und Lichter am Fenster müssen doch auch sein, am besten mit Zeitschaltuhr. Geht ja nur darum, dass es an Weihnachten so aussieht, als sei jemand da. Oder?

Und wenn die Weihnachtskiste schon im Wohnzimmer steht, könnte man doch wenigstens die bronzefarbenen Sterne ans Fenster hängen und vielleicht den Kranz an die Tür und ein Engelchen aufs Fensterbrett. Vielleicht noch den süßen Elch in die Küche. Und den Leuchtstern ins Gästezimmer, zusammen mit den Wichteln? 

Und Weihnachtsmarkt? Das geht! Heißt ja seit neuestem Wintermarkt. Und Glühwein? Geht auch.  Oder Eierpunsch? Nee! BEIDES 🙂

Aber Plätzchen backe ich keine … bis zu dem Zeitpunkt, als eine Nachbarin vor der Tür steht, ihr Backofen gerade den Geist aufgegeben hat und so die allerfeinsten Vanillekipferl in unseren Ofen wandern und die Küche mit zartem Duft einhüllen. 

Ich beobachte – ach was – ich streichele das feine Gebäck mit Augen und Nase wie es langsam goldbraun wird. Hach!

Außerdem gibt es keinen Baum, keine Christmette, keine Geschenke?

Quatsch! Natürlich gibt es Geschenke; für die Patenkinder, für meine Herzensmenschen, die Lieben, die unsere Samtpfoten und unser Heim hüten … nur ein bisschen früher als sonst.  

Und deshalb raschel ich jetzt mit Papier und Kräuselband und Schleifen und Sternchenanhängern und summe „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, schlürfe ein bisschen Glühwein vom Vorjahr und nasche diese unglaublich zarten Vanillekipferl von Luise. 

Ich genieße sie, diese schöne, heimelige, geheimnisvolle, lichterdurchflutete und genussvolle Vorweihnachtszeit – nur ein bisschen kürzer als sonst.

 

Text und Fotos: ©Andrea Steffen

 

 

Abgeschmückt!

 

„Wann wird eigentlich der Baum abgeholt?“
„Montag früh.“

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Als erstes die Kugeln. Immer als erstes die Kugeln. Mit einer Drehbewegung werden sie von den Zweigen gehakt und in Seidenpapier gewickelt. 

 

So wie man Ohrringe abzieht und zurück auf Samt ins Schmuckkästchen bettet.

 

Als nächstes kommt die Lichterkette an die Reihe, wird Kerze für Kerze ganz ordentlich in die dafür vorgesehene Verpackung gepackt.

 

So wie die langen Halsketten, die sich sonst heillos verheddern würden.  

 

Dann werden die Sterne vorsichtig von den Zweigen gestreift.

 

So wie man ein Trägertop sanft über die Schulter zieht.  

 

Danach sind die Engel an der Reihe, deren Flügel aus Federn so empfindlich und weich sind.

 

So weich wie der Flaum im Nacken, wenn man die Haare anhebt.  

Als letztes muss der Draht gelöst werden, mit dem der etwas zu kitschige Rauschgoldengel an der Spitze befestigt ist. 

 

So wie man mit Fingerspitzengefühl Ösen enthakt.

 

Durch die trockenen Zweige wird der Blick frei auf den Stamm, der tiefe Rillen aufweist, wo die Katzen ihre Krallen gewetzt haben. 

 

So wie die Zeit Falten ins Gesicht gemalt hat.

 

Tannennadeln rieseln auf den Boden, knistern unter der Berührung.

 

So wie Winterhände beim Öffnen einer Gürtelschnalle.  

 

Da steht er der Baum. Abgeschmückt. Pur.

 

*

*
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„Magst Du eigentlich noch, was Du siehst?“
„Mehr denn je.“

 

 

Foto und Text: Andrea Steffen

Die Christmette

 

„Wir könnten doch eigentlich mal in die Christmette gehen. In Eurer Kirche kenne ich die ganzen Lieder gar nicht.“ Wir tauschen Blicke, das Kind nickt. Na ja, na gut, weil Weihnachten ist. Mann und Schwiegermutter bleiben zuhause, angeblich um das Essen vorzubereiten, vermutlich mit Metaxa oder Ouzo.

„Wann müssen wir denn da sein, wenn man noch einen Sitzplatz haben will?“ „Keine Ahnung, aber ‚ne halbe Stunde wäre vermutlich gut.“ „Und was zieht man da an?“ Ich könnte wieder sagen ‚Keine Ahnung‘, schlucke das und erwidere „Die Kirchen haben kein Geld, wird vermutlich nicht gut geheizt, ich würde mal sagen, was Warmes.“

Wir sind fast eine Stunde vorher da … und stehen vor der Kirche, damit man uns einlässt. Die ist gut geheizt. Aha, da war der Klingelbeutel wohl doch was voller in letzter Zeit. Meine Mutter steuert schnurstracks auf die erste Sitzgelegenheit zu, erste Reihe am Eingang. „So, hier ist gut.“ „Wieso?“ „Da kann ich mal raus, wenn ich will.“ „Wieso willst Du raus?“ „Könnte doch sein.“ Nun denn … alle Reihen vor uns sind noch frei. „Weiter vorne kann man aber besser sehen.“ „Ist mir egal, ich will hier an der Tür sitzen. Außerdem ist das ja so heiß hier.“ „Wollen wir nicht wenigstens in die Mitte rücken. Hier müssen ja alle, die nach uns kommen noch vorbei.“ „Nee, ist mir egal, hier an der Tür ist gut.“ Ich gebe auf.


Das Kind daddelt auf dem IPod. Die Kirche füllt sich nach und nach. Jedes Mal, wenn jemand in unsere Bankreihe möchte, stehen wir auf – wie die Orgelpfeifen. Hat was. So ist wenigstens was zu tun, während der Wartezeit. Meine Ma beobachtet. „Vielleicht sollten wir doch mal da vorne gucken, ob da noch was frei ist.“ „Dann tu das.“ So war das nicht gedacht, ich hätte gucken sollen, aber ich weigere mich. Sie kommt zurück. „Ganz vorne ist noch alles frei. Da könnten wir hin.“ „Hm, ich glaube das ist eher für die Flötenkinder oder so.“ „Geh‘ doch mal fragen!“ Nein, tue ich nicht.  

„Außerdem wird das jetzt hier so langsam kalt. Die Leute könnten doch mal die Tür zumachen.“ „So ist das halt, wenn man unbedingt an der Tür sitzen will.“ „Aber warum schließen die die Tür denn nicht, wenn die reinkommen. Das macht man doch so.“ „Weil andauernd wieder jemand Neues kommt, da kann die Tür doch gleich aufbleiben.“ Meine Mutter steht auf und schließt die Tür. Zwei Sekunden später kommen weitere Besucher.

„Mama, ich kann hier nicht sitzen.“ „Was?“ „Der Mann neben mir stinkt.“ “Dann wechseln wir die Plätze.” „Ach Kind“, tönt meine Mom. „Schön, dass Du an meine Seite kommst.“ Ich rolle mit den Augen. Der Typ müffelt wirklich. Gleich fange ich an zu schreien. Ich atme flach Richtung Kind. „Mama, was atmest Du mich denn so an?“ „Sorry, aber der Typ neben mir … Du weißt schon.“ „Sag‘ ich doch.“

„Hömma, so langsam wird mir das aber hier doch zu kalt mit der offenen Tür da. Ich habe schon ganz kalte Füße.“ „Mami, sollen wir wechseln? Dann setze ich mich an die Tür und Du auf meinen Platz.“ Gesagt getan. „Was riecht denn hier so komisch?“, äußerst meine Mom nicht gerade leise. Ich versinke gleich im Boden.

„Du Mama, das kann doch nicht sein, dass sich die Leute hier vor uns hinstellen, wir sehen ja gar nichts mehr.“ „Das ist nun mal so, wenn man die erste Reihe nach dem Mittelgang besetzt.“ „Voll doof das. Absolut unchristlich. Ich gehe jetzt dahin und sage denen, die sollen sich nach hinten stellen, erst so spät kommen und dann sowas.“ Ich könnte versuchen, das Kind abzuhalten um des lieben Friedens willen, aber sie hat ja Recht. Auch die Oma hat ihre Meinung dazu: „Nee, das kannste nicht machen an Weihnachten. Das ist ja peinlich.“ „Peinlich ist, dass die Leute so spät kommen und sich dann einfach vor uns stellen. Das ist peinlich.“ Das Kind ist echauffiert, laut echauffiert, meine Mutter pikiert und ich sitze dazwischen. Wenn ich jetzt zwei Bratpfannen hätte, würde ich die parallel zum Einsatz bringen.

Die Glocken läuten, die Orgel dröhnt. Ich denke, jetzt bin ich erlöst. Aber nein, das Kind nölt weiter, dass es nichts sieht. Menschen von hinten zischen „Psssst“ und meine Mutter dudelt mit nasalem Alt Altbackenes in mein Ohr. Ich atme hörbar aus. „Siehste, der Kerl stinkt“, meint das Kind. Meine Mutter zerrt sich den Mantel von dem Schultern, um ihn um die Beine zu drapieren. „Das zieht hier immer noch!“

„Weihrauch ist ekelig, ich glaube mir wird schlecht.“ „Atme durch den Mund!“ Das Kind guckt trotzig. Ich wünsche mir Bratpfannen. Inzwischen sind wir bei den Fürbitten. Ich fürbitte innerlich Frieden auf Erden und insbesondere Harmonie und Gelassenheit in den Herzen meiner Lieben. Meine Mutter kramt hörbar im Portemonnaie. „Für den Klingelbeutel.“ Schon klar. „Was gibst Du denn?“ Na ja, ein Scheinchen. „Was, so viel?“ „Na, die müssen doch hier heizen!“, sage ich und unterstütze indirekt meinen Arbeitgeber. „Gib‘ dem Kind mal einen Euro. Die soll auch was in den Klingelbeutel tun.“ Ich tue wie geheißen. Jemand hinter uns zischt „Pssst.“ Meine Mutter dreht sich demonstrativ um.

Ich rette mich ins Gesangbuch und irgendwie geht so auch diese Christmette zu Ende. Direkt am Ausgang zu sitzen, ist von Vorteil. Draußen atme ich auf und denke „Eigentlich müsstest Du das in Worte fassen – irgendwann.“

Dann nehme ich meine beiden wilden Weiber in den Arm. “Ich hab’ Euch lieb, so wie Ihr seid. Lasst uns jetzt feiern gehen.”

In diesem Sinne – Frohe Weihnachten!


Foto und Text: Andrea Steffen

Entspannt Euch!

 

Nein, ich habe noch nicht alle Geschenke zusammen. Ich habe aber schon welche besorgt, sogar drei Stück eingepackt und außerdem zwei Gespräche mit Experten geführt, die mich über den schnellsten Prozessor, die beste Grafikkarte, die Notwendigkeit von USB 3.0-Slots, die Vorteile einer matten Monitoroberfläche sowie die Möglichkeiten von SSD informiert haben.

 

Sieben verschiedene Sorten Plätzchen? WOW! Ich habe erst einmal Plätzchen gebacken und die sind auch schon weitestgehend aufgefuttert.

 

Nö, so richtig ernsthafte Gedanken über das Weihnachtsmenü habe ich mir noch nicht gemacht und Fleisch eingekauft und eingefroren habe ich schon gar nicht. Aber neue Tischdeko habe ich im Internet geordert. Und ein Päckchen für die Tafel gepackt. Das gebe ich dem Kind morgen mit in die Schule.

 

Eierlikör? Selbstgemacht? Muss man das machen? Mache ich nie, ist aber mal eine Idee.

 

Strohsterne? Was für Strohsterne? Ich bastele nie Strohsterne. Wieso nicht? Weil ich keinen Bock drauf hab‘. Und backe auch keinen Stollen selber. Das kann der Bäcker meines Vertrauens auch besser als ich. 


Wie viele Weihnachtsmärkte ich schon besucht habe? Nur einen und den auch nur im Vorbeigehen. Nächstes Wochenende besuche ich den wirklich schönen Handwerkermarkt in Neersen und das war’s dann auch.

Nein, ich habe weder Weihnachtskarten geschrieben noch welche bekommen. Also noch nicht. Und ich weiß wirklich noch nicht, was ich auf der Firmenweihnachtsfeier anziehe, vermutlich irgendwas mit Schwarz und vielleicht mit Glitzer oder auch nicht.
Ja klar habe ich schon Glühwein getrunken, den weißen. Köstlich. Ach so, ob ich welchen gekauft habe. Nee, wieso sollte ich? Ach so, weil das dazu gehört.
Ob mich das nicht nervös macht?

 

NEIN, das tut es nicht!!! 

 

Leute, die schon immer alles haben und sich trotzdem noch tierisch einen Kopp machen, die machen mich nervös. Heute ist der 10. – in Worten: der zehnte – Dezember und es wird sein wie jedes Jahr. Alles wird rechtzeitig fertig sein. Es wird auch noch Printen zu kaufen geben in der letzten Woche vor Weihnachten und Weihnachtsservietten und Kräuselband. Und wenn es keine Printen gibt, dann kaufen wir eben Lebkuchen. Und es wird auch noch Nüsse geben und auch noch Glühwein im Supermarkt.
Was ich stattdessen gemacht habe bis jetzt? Na ja, Schnee geschaufelt, eine tolle Ausstellung besucht, ein bisschen gelesen, im Internet gesucht, wie man Fersen bei Socken strickt und die Katzen beobachtet, wie sie die Pfoten im Schnee heben –  wie Primaballerinas beim Schwanensee. Zum Schießen! 

 

Und jetzt backe ich noch ein paar Plätzchen, aber bitte … entspannt Euch, Leute!
Bitte!!!  

 

Text & Foto: Andrea Steffen