Museumsinsel Hombroich – Langen Foundation 

Kristallschön

Der Zeitpunkt war ideal – die Idee von einer Freundin aus Lüdenscheid auch. Warum nicht mal einen Tag in der ehemaligen Rakektenstation in Neuss verbringen, die heute die Langen Foundation beherbert? Dieser Ort hat was Kurioses, vereint für mich moderne, lichte Architektur aus Glas, Beton und Stahl, verbunden mit Relikten des kalten Krieges und immer wieder herausragenden Ausstellungen.

Die aktuelle von isländisch-dänischen Künstler Olaf Eliason kann ich wärmstens empfehlen. Diese zeigt rund 40 Exponate: Rauminstallationen, Fotografien und Lichtobjekte. Gerade erst installiert wurden auch die Bodenskulpturen Cataract und 47 Roaring Forties anlässlich des 80. Geburtstages von Carl Andre. 

Lichte Architektur

Jetzt im Oktober sind die Erftauen in warme Herbstfarben getaucht, Apfel- und Birnbäume hängen voller Früchte, Tau sammelt sich in Spinnweben – also auch landschaftlich ein schöner Ort zum Eintauchen und Aufatmen.

Relikte aus alten Zeiten
Ehemals Bunker – jetzt Galerie

 

Farbenrausch

 

Bodenskulptur

 

Kochkunst

 

Text und Foto: ©Andrea Steffen

Eine Stunde mit WW!

Ehrenhof Düsseldorf

Nein, ich habe nicht das dritte “w” vergessen. Dann müsste es ja auch heißen: Eine Stunde IM www. Auch Weight Watchers ist nicht gemeint. Ich spreche von Wim Wenders und seiner fotografischen Ausstellung im Museum Kunstpalast. 

 

Er selbst bezeichnet seine Fotos übrigens als „Photographien“ von photo für Licht und graphien für Zeichnen, denn an sich wollte er Maler werden. Was draus geworden ist, ist erstaunlich. Erstaunlich gut, schreibe ich jetzt extra nicht. Wim Wenders ist ein Großer. Wie sollten seine Fotos da anders sein? 

 

Und genau das sind sie: anders. Ich stehe in der Ausstellung vor so manchem Bild und frage mich, wieso das Kunst ist. Spargelfelder in dieser Form habe ich sicherlich auch schon abgelichtet, aber nie käme ich auf die Idee, sie zu veröffentlichen. Und genau darin liegt die Kunst: Der Blick auf das Gewöhnliche, das doch besonders ist. 

Der gleichen Meinung ist eine Dame aus Amsterdam, mit der ich ins Gespräch komme. Fleißig lichtet sie jedes Bild ab. „Fotografieren ohne Blitz erlaubt“ – auch das ist genial an der Ausstellung und ein Grund noch mal mit der Kamera im Gepäck hinzugehen. 

 

Gewöhnlich sind auch die Fotos eines vereinsamten Städtchens in Montana. Bizarr ist das, die Perspektive wirkt. Man fühlt sich ganz verlassen beim Anblick.
Sonntagmorgen in einem amerikanischen Städtchen
Das Foto, das im Wald in der Nähe Fukushimas kurz nach der Reaktorkatastrophe entstanden ist, könnte auch aus dem Sauerland sein. Dass es das nicht ist, beweisen daneben hängende Fotos, auf denen Sinuskurven zu sehen sind, sichtbare Zeichen auf Zelluloid gebannter radioaktiver Strahlung, denn Wenders fotografiert kompromisslos analog, ohne Bildbearbeitung und Stativ. 

 

Einige der großformatigen Landschaftsbilder werden von poetischen Zitaten begleitet. Schuss- und Gegenschussfotos sind nebeneinander ausgestellt. Bezug und Perspektivwechsel werden für den Betrachter somit greifbar. Und immer wieder die Einsamkeit, die den Bildern entströmt.  

 

Kurz nach den Anschlägen vom September 2011 hat Wenders die Möglichkeit diesen infernalischen Ort abzulichten. Er fängt mit der Kamera einen Moment ein, in denen durch einen plötzlichen Sonnenstrahl das in den tiefen, schattigen Kratern liegende Ausmaß der Zerstörung in sanftes Licht getaucht und gewissermaßen an die Oberfläche der Realität gehoben wird. Wasserfontänen, um den Staub nicht in die Stadt zu wehen, zaubern Reflexe in die Luft. Erschöpfte Helfer stehen wie festgefroren und Kraft suchend mit den Gesichtern zur Sonne gewandt. Die Zeit steht still.  
Ground Zero – wie aus der Zeit gefallen

 

Diese Bilder sind unglaublich. Unglaublich gut und unglaublich berührend. 

 

Und selbst wenn ich keine Jahreskarte für das Museum Kunstpalast hätte und auch wenn ich nicht unbedingt mit der eigenen Kamera noch mal hinwollte, weil ich nur das Handy dabei hatte, ich würde diese Ausstellung ein zweites Mal besuchen. 

 

Infos: 

 

4 REAL & TRUE 2. Wim Wenders. Landschaften. Photographien.
bis 16. August 2015

Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
T +49 (0)211-566 42 100 (Mo–Fr 8-18 Uhr)

Öffnungszeiten: Di-So 11–18 Uhr, Do 11-21 Uhr

Christi Himmelfahrt, 14.5.2015, 11–21 Uhr

Eintrittspreise: Erwachsene 12 Euro, Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre – 1 Euro 

Und am Ende ein bisschen Blödsinn 😉

 

Text & Fotos: Andrea Steffen

Was Buntes braucht der Mensch!

Es gibt viele Möglichkeiten, um dem Jahresendzeitblues zu begegnen.

Lösung 1: Man mixt die ganzen Rot- und Weißweinreste von Weihnachten zusammen, kippt den Rest Rumtopf dazu, würzt das Ganze mit einer Prise Kardamon und mehr braunem Zucker als gut ist, erhitzt es und trinkt es innerhalb von 10 Minuten. Wirkt. Wirkt super. Macht aber einen Schädel.

Lösung 2: Man ergibt sich einem leidenschaftlichen Putzflash. Mit anderen Worten: man verbindet das Notwendige mit dem Nützlichen. Wirkt auch gut. Bis auf die Tatsache vielleicht, dass wenn das Kind dann die gewienerte Mikrowelle öffnet und fragt „Ist die neu?“, die hausfraulichen Kompetenzen so arg in Frage stellt werden, dass man erneut zu Lösung 1 greift.

Lösung 3: Man liest 300 Seiten Trivialliteratur innerhalb eines Tages, guckt dabei noch ein bisschen Cirque de Soleil auf Arte (als Ausgleich zur Trivialliteratur) und gönnt sich die letzte Packung „Gute Geister in Nuss“. Wirkt auch, verursacht aber Übelkeit und am nächsten Tag ein Kilo mehr auf der Waage.  “Was Buntes braucht der Mensch!” weiterlesen

Mein allererstes Mal …

So entspannt könnte es im Prinzip sein … KÖNNTE!

… Wasserskilaufen!  

Wirklich toll, dass ich – ohne es je ausprobiert zu haben – in der letzten Kundenzeitung vollmundig erklärt hatte, Wasserskifahren wäre etwas für fast jedes Alter und leicht zu erlernen. Sportlich müsse man auch nicht sein. In der nächsten Kundenzeitung sollte ich ganz uneigennützig mal das Thema “Wie entsteht eigentlich ein Eigentor?” beleuchten. Ein Besuch bei Freunden erwies sich als äußerst aufschlussreich in dieser Hinsicht. Allein die verbale Vorbereitung auf das Nassereignis ließ mich meinen Artikel innerlich redigieren.  
„Also am Anfang ruckt das ganz heftig und Du kannst damit rechnen, dass die Zugleine dann alleine ohne Dich weiterläuft. Ich schätze, so dreimal machste den Abgang und dann geht’s in die erste Kurve.“ So die gut gemeinten Ausführungen aus dem Freundeskreis. „Wenn Du die überlebst, kriegste ein Ticket für London. Normalerweise aber fliegst Du spätestens da raus. Keine Sorge, bisher hat noch jeder irgendeinen Zugang durchs Schilf wieder an Land gefunden. Der Vorteil, wenn man in der ersten Kurve abkackt ist, dass Du keine so große Strecke zurücklaufen musst.“
Schöne Aussichten! „Die zweite Kurve geht. Da fliegen die wenigsten raus. Es kann aber vorkommen, dass z.B. mitten drin wegen Gewitter abgebrochen wird. Von da ist der Weg am weitesten und leicht sind die Skier nicht gerade. Die dritte Kurve ist dann wieder was haarig, vor allem musste auf nackigen Füßen dann über Schotter zurück und das Schilf ist da auch was dichter; musste gucken, denn das ist auch ganz schön scharf. Tja und wenn Du dann die erste Runde komplett geschafft hast, ist meist auch schon die eine Stunde um. Also dann viel Glück.“ 

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