Frau Steffen und das Fliwatüüt (7)

Deine Spuren im Schnee …

 

Tag 4 – Am nächsten Morgen war der Beetle rundherum zugefroren. Weil Eiskratzer aber gefährliche Spuren auf dem Lack hinterlassen können, wenn nicht ganz und gar akkurat bedient, ließ ich den Wagen von der Sonne abtauen, die sich am späten Nachmittag endlich blicken ließ. 

 

Ich nahm das Fahrrad ins Büro. 

 

Text und Foto: ©Andrea Steffen

 

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Frau Steffen und das Fliwatüüt (6)

 

Von null auf hundert in 8,3 Sekunden 😉

 

Tag 3 – Am darauf folgenden Morgen hatte ich Glück. Die Nacht hatte keinen Tau auf den Kugelporsche gezaubert und wir konnten den Heimweg antreten, nachdem ich den Schalter für den Heckscheibenwischer nicht gesucht hatte. 

So ein modernes Vehicle muss man nicht mehr einfahren. Also nix von wegen auf den ersten 1.000 km zahm mit 120 durch die Gegend zockeln. Wenn der Motor warm ist, dann … ab dafür!

Ich lieferte mir ein kleines Rennen mit einer aufgemotzten Fiesta-Mitsubishi-Colt-Japan-Corsa-Verschnitt-Karre. Und gewann. Aber das war kein adäquater Gegner. Der nächste Herausforderer war ein Audi A8. Auch kein Gegner. Also ich war keiner. Und dann ein himmelblauer Beetle (SONDERLACKIERUNG) mit schwarzem Cabrio-Verdeck und Heckflosse. Die gibt es ab160 Pferdestärken aufwärts. 

Ich veratmete meinen Neid – also theoretisch. Abgesehen davon: Blödmann! Hätte mich ja auch  gewinnen lassen können.
Wie auch immer, musste ich noch ein Versprechen halten und irgendwann auf die Beifahrerseite wechseln.  

 

Schon mal was von Beifahrer-Allergie gehört? Juckende Handflächen, innere Unruhe, kalter Schweiß, zwischenzeitliche Hechelatmung. Habe ich  normalerweise nicht. Könnte aber mit diesem Neuwagengeruch zusammenhängen.

 

Text und Fotos: ©Andrea Steffen

 

Fortsetzung folgt

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Frau Steffen und das Fliwatüüt (5)

Immer noch Tag 2 – Durch so eine kleine Episode wie die Sache mit dem Heckscheibenwischer lasse ich mich doch nicht entmutigen. Es stand die längere, also sowas wie zweite Jungfernfahrt an: 300 km am Stück bis Ladenburg bei Heidelberg. 

Es dauerte auch nur 100 km bis ich dann endlich mal die optimale Sitzposition gefunden hatte. Ein ständiges Vor- und Zurückrücken, Aufstellen und Absenken der Rückenlehne, Verstellen der Lordose-Verstärkung und des Hoch-Runter-und Heranziehens der Lenksäule und optimales Einstellen des automatisch von ganz alleine sich selbst abblendenden Rückspiegels braucht eben seine Zeit. 
Ich möchte betonen, dass der Beifahrer nicht wahnsinnig wurde. Er rettete sich in den Schlaf.

Der Rest war cool. Rechts ist bekanntlich der Straßenbelag weitaus schlechter aufgrund der vielen LKWs: Huckel, Dellen, Schlaglöcher und Flickwerk. Ich beschloss auf der linken Seite zu fahren, erst mal piano mit 80 km/h. Einem Kind, das gerade anfängt zu laufen, schmeißt man schließlich auch keine Bauklötze vor die Füße. Allerdings musste ich feststellen, dass viele Fahrer weit weniger entspannt waren als ich. Sie setzten den linken Blinker (was soll das, habe ich auch!), betätigen die Lichthupe und überholen einfach rechts. 

 

Zwischenzeitlich wachte der Beifahrer auf und holte eine Packung Kekse hervor. In solchen Fällen habe ich eine erstaunlich schnelle Reaktion für mein Alter. Kaum hatte mein rechtes Auge die Kekspackung optisch erfasst, flog sie auch schon aus dem Fahrerfenster. Ich fand Ablauf und Bewegung unglaublich behände und elegant, dem Fahrzeug entsprechend. Ich war alleine mit meiner Meinung.

 

Um von diesem Manöver ein wenig abzulenken und den Beifahrer vom Aussteigen bei mittlerweile 130 km/h abzuhalten, drehte ich die Anlage hoch. Mucke statt Keks. Sitztanz und Stimmbandtraining statt Kalorien. Funktioniert hervorragend.

 

Das ging solange gut, bis wir von der Autobahn abfuhren. Die Straßen oder besser Gässchen von Ladenburg sind eng und schmal. Folglich mussten sowohl Fahrerin und Beifahrer zeitweilig den Kopf aus dem Seitenfenster hängen, um abzuschätzen, ob man ohne Kollision weiterfahren könne oder eben doch besser direkt auf der Straße parke.

Apropos Parken: das geht hervorragend. Ich nehme entweder zwei Parkplätze, einen LKW-, Bus- oder Wohnmobilparkplatz. Alles total entspannt.

Der Wendekreis des Beetle beträgt nur 10 m. Das ist wahnsinnig klein und Beifahrern wird schwindelig, wenn man diesen kleinen Wendekreis ca. 20 x hintereinander auf dem Riesenparkplatz vom real ausprobiert. 
Weiß übrigens jemand, wo man diese Flugzeug-Kotztüten bestellen kann?

 

Text und Fotos: ©Andrea Steffen
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Frau Steffen und das Fliwatüüt (4) 

Tag 2– Das Kind erhellte meinen Morgen mit der Aussage „Alter, siehst Du fertig aus!!!“, woraufhin ich lapidar antwortete „Eine Nacht im Auto ist halt nun mal kalt und hart.“ 
Nachdem ich mittels einer heißen Dusche meine Knochen wieder entgrätet hatte, fuhr ich Brötchen holen, d.h. ich wollte.  

Die Heckscheibe war mit Tau benetzt. Für sowas hat man einen Heckscheibenwischer. Die Frage ist nur, wie man ihn bedient. Ich schnipste, drückte, presste, klickte, tippte den rechten Hebel neben dem Lenkrad in alle Richtungen. Was sich nicht rührte war der Heckscheibenwischer. Aber wozu gibt es Betriebsanleitungen?

Da war was zu lesen von „Off“, „On“, „High“, „Low“, Tippwischen (vermutlich tip washing), Wisch-Wasch-Automatik (hat die Waschmaschine auch, oder?), Intervallschaltung, beheizbare Scheibenwischerdüsen und der Empfindlichkeit des Regen-Lichtsensors gefolgt vom Austausch der Frontscheibenwischblätter. Und dann folgt ein Kapital über die automatische Abblend-Dingens-Bummens vom Rückspiegel.
Fein! Und wo bitte steht was über den Heckscheibenwischer? Nirgends.

 

Der Beetle hat nämlich keinen.

 

Ich lief die 100 m zum Bäcker.
Ganz ohne Heckscheibenwischer

 

Text und Foto: ©Andrea Steffen

 

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Frau Steffen und das Fliwatüüt (2) 

Lack & Leder

 

Tag 1– Abholtermin 10.01.2014, 14.00 Uhr – Bis es soweit war haben die heißen Kohlen unter meinem Allerwertesten das Büro für den Rest der Wintersaison erwärmt. 
Als ich Punkt 14.00 Uhr um die Ecke fuhr, stand der Wagen für alle gut sichtbar mitten vor den Schaufenstern und der einzige Gedanke, der mich ab diesem Zeitpunkt nur noch erfasste war „Meins, meins, meins“ und danach „Fahren, fahren, faaaahren!“ Der Verkäufer hatte es nicht leicht mit mir, denn während er seine erhebliche Kompetenz darauf verwendete, mir diese und jene technischen Feinheiten, Raffinessen und auch „Don’ts, Never Ever und Finger weg, Frau Steffen“ erklärte, gingen meine Hände auf Wanderschaft, rund ums Lenkrad vorbei über die lackierten Innenflächen und wieder zurück, mit den Fingerspitzen die Konturen vom Blinkerhebel nachgezogen, bis zum Radio geglitten und von da vorsichtig mit dem Zeigefinger den Schalthebel umrundet. Immer wieder! 

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