Ohrenbetörend

Die morgendliche Stille ist ohrenbetörend.

Noch steht die Sonne tief, leckt mit ihren schräg einfallenden Strahlen die Regentropfen der Nacht von der weiß getünchten Verandabrüstung.

Eine Libelle nutzt die Umrandung für eine kleine Pause oder vielleicht beäugt sie auch die blaue Tasse mit dem ersten Kaffee des Tages.Im Apfelbaum summt und kreist es schon munter. Eine Hornisse klettert vorsichtig um die Zweige. Ob sie es auf die Wespen abgesehen hat oder die überreifen Äpfel ist nicht zu erkennen.

Aus dem nahen Schilf ist das dumpfe „Dung Dung“ irgendeines Wasservogels zu hören. Ein erstes Motorboot tuckert in noch verhaltenem Tempo übers Wasser. Das nimmt der Hahn im Garten zum Anlass sein kräftiges Organ erschallen zu lassen. Weithin hört man sein Geschrei und prompt antwortet ein Hahn vom gegenüberliegenden Ufer. So geht es eine Weile. Hahn-Pingpong. Ich drehe die Kaffeetasse in den Händen und muss grinsen. Jeden Morgen das gleiche Spiel. 

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Windstille

 

 

Nur noch eine kleine Anhöhe. Die Schafe liegen im morgennassen Gras, mahlen mit ihren Unterkiefern und beäugen uns. Direkt daneben mit der Kruppe gen Meer eine große Herde Shettys, allesamt dunkelbraun, ruhig wie ein Scherenschnitt. Ein ganz leichter Frühnebel liegt noch auf dem Grünstreifen zwischen Weiden und Dünen und als der Schwarm schnatternder Gänse im Landeanflug im weichen Grau verschwindet, kriecht eine Gänsehaut mein Rückgrat rauf. „The Fog“ lässt grüßen. 

 

Aber schon ein paar Schritte weiter oben am höchsten Punkt der Düne ist diese Gefühl wie weggewischt. Die See liegt glatt zu unserem Füßen, der Strand lang und breit. Es ist Ebbe, auch an Menschen. 

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