Abenteuer Airbnb

Das Bett war klasse, keine Frage

Reisen ist Abenteuer. Nicht immer. Aber immer wieder.

Über Airbnb hatte ich bereits einmal im letzten Jahr eine Bleibe im geliebten Domburg gebucht.

Was war das für ein wunderbare kleines Knusperhäuschen mit allem, was das Leben und einen Urlaub insbesondere schön macht: ein gemütliches Sofa, keine kleine aber voll ausgestattete Küche mit Geschirrspüler, einen ausreichend großen Essplatz, ein bequemes, große Bett, Wandschränke zum Unterbringen von Kleidung und Zeugs und Dings und Bums und ein kleines Bad mit Dusche. Außerdem eine Terrasse mit Möbeln, von der immer ein Teil in der Sonne und einer im Schatten lang. Ein kleines Raumwunder, was auch noch äußerst stilsicher und mit hochwertigen Möbeln eingerichtet war. Und zu allem Überfluss waren Domburg und Strand in wenigen Minuten zu erreichen.

Mit anderen Worten: Besser geht’s nicht! Fazit: direkt wieder gebucht für dieses Jahr.

Mit dieser positiven Erfahrung sicherte mir ein kleines Appartement im Kölner Süden für eine Fortbildung, weil ich einfach keinen Bock auf den täglichen Stau rein und raus hatte. Und auf die Hetze und den Stress schon gar nicht. “Abenteuer Airbnb” weiterlesen

Langsamkeit entdecken

 

MS Juno – Das älteste Passagierschiff der Welt

Das Leben ist voller Risiken, besonders dann, wenn man sie bewusst eingeht.Boote und ich passen einfach nicht zusammen. Manchmal komm’ ich nicht drum herum und so eine Fährfahrt nach Texel oder Norderney ist überschaubar lang. Danach beruhigt sich mein Gleichgewichtssinn wieder.

Wieso aber macht man eine Kanalreise, noch dazu über den drittengrößten See Europas und mit einer Passage durch die Ostsee, wenn einem doch allein beim Anblick einer Fönwelle übel wird?

Einfach deshalb, weil es wohl eine der schönsten Kanalreisen der Welt überhaupt ist. Außerdem: No risk, no fun.

Beim Einchecken in die MS Juno am Kai von Göteborg wurde mir trotzdem anders, insbesondere nachdem wir unsere Kajüte bezogen hatten. Kajüte hört sich gut an. Ca. 3 m², genau über dem Motor hinten im Heck gehüllt in einen Hauch von Schiffsdiesel. Oha!  “Langsamkeit entdecken” weiterlesen

Ohrenbetörend

Die morgendliche Stille ist ohrenbetörend.

Noch steht die Sonne tief, leckt mit ihren schräg einfallenden Strahlen die Regentropfen der Nacht von der weiß getünchten Verandabrüstung.

Eine Libelle nutzt die Umrandung für eine kleine Pause oder vielleicht beäugt sie auch die blaue Tasse mit dem ersten Kaffee des Tages.Im Apfelbaum summt und kreist es schon munter. Eine Hornisse klettert vorsichtig um die Zweige. Ob sie es auf die Wespen abgesehen hat oder die überreifen Äpfel ist nicht zu erkennen.

Aus dem nahen Schilf ist das dumpfe „Dung Dung“ irgendeines Wasservogels zu hören. Ein erstes Motorboot tuckert in noch verhaltenem Tempo übers Wasser. Das nimmt der Hahn im Garten zum Anlass sein kräftiges Organ erschallen zu lassen. Weithin hört man sein Geschrei und prompt antwortet ein Hahn vom gegenüberliegenden Ufer. So geht es eine Weile. Hahn-Pingpong. Ich drehe die Kaffeetasse in den Händen und muss grinsen. Jeden Morgen das gleiche Spiel. 

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Es fährt ein Zug nach nirgendwo (4)

 

Original Unfallskizze an die Versicherung 🙂

 

 

Letzter Tag. Heute geht alles glatt. Finale. Oho! Wenn ich gewusst hätte, wie oho dieser Tag werden sollte!

 

Alles fing gut an: Mit dem Shuttlebus zum Flughafen, vom Flughafen mit der Bahn zum Hauptbahnhof, Koffer in die Gepäckaufbewahrung. Alles bekannt, Gefahr gebannt. 

 

Die Sonne strahlt nur so vom Himmel. Was für ein toller Tag, der geradezu zu einem Bummel durch die Gassen von Haarlem einlädt.  

Wir marschieren bis zur Westergasfabrik, einem wunderbaren alten Industriegebiet, das sich zum Naherholungsgebiet gemausert hat: schöne Bistros, ein Openairkino, ein Theater, Fotostrecken auf Großleinwänden, Rosenteiche in ehemaligen Auffangbecken, Spielplätze – ergo ein herrlich entspanntes und grünes Fleckchen mitten in Amsterdam. Zurück durch die mittlerweile belebten Straßen von Haarlem war ich überrascht und höchst angetan von den coolen Läden und Restaurants und wäre gerne noch ein bisschen geblieben, wenn eben der Zug nicht gewesen wäre, denn es zu erhaschen galt. 

 

Westergasfabriek

 

Shop in Haarlem

Gepäck ausgelöst, noch ein großen Kaffee auf die Hand und dann home, sweet home, wir kommen. Umsteigen in Utrecht, alles gut, aber mittlerweile ziemlich heiß. Ich kippe den Rest der Wasserflasche. 

 

Und dann: „Musst Du noch mal?“ Ich: „Nö, ich geh im Zug.“ DAS war ein Fehler! Wenn ich gewusst hätte, was dieser Satz für Folgen haben würde, dann hätte ich jedes noch so schäbige Bahnhofsklo aufgesucht. Meinen gefassten Plan konnte ich im Intercity nämlich nicht umsetzen. Alle, aber auch wirkliche alle Toiletten im ungefähr 15 Waggons langen Zug waren gesperrt, da verstopft. Na gut, noch eine gute Stunde Fahrt bis Roermond, das müsste gehen. 

 

Der Schaffer kam und knipste bzw. scannte und teilte uns mit, hinter Eindhoven hätte es ein Zugunglück gegeben und die Fahrt würde nun zwei Stunden dauern. Zwei Stunden sind doppelt so viel wie eine. Ich brauchte eine Lösung, eine Toilettenlösung. Tja, er könnte mir eine Toilette aufschließen, aber das würde ich nicht wollen. In s’Hertogenbosch würde der Zug eine Weile Halt machen, ich könne zur Toilette gehen und dann wieder einsteigen. Er würde erst losfahren, wenn ich wieder drin bin. 

 

„Das willst Du nicht echt machen, oder?“ „Doch, ich muss, ich habe keine Wahl.“ Also in s’Hertogenbosch raus, der Schaffner wart nicht mehr gesehen, den Bahnsteig lang gewetzt, Treppen hochgestocht und da … ein WC! Juchhu! 

 

DEFEKT! Oh no! Wat nu? Ich rannte in eine 3er-Gruppe Uniformierter und schrie „Where is the loo?“

Auf Bahnsteig 1. Unten! 

 

Treppe runter! Kein Klo! Verdammt, kein Klo zu sehen. War das hier wie bei Harry Potter. Ich muss nur gegen den Betonpfeiler rennen und dann öffnet sich das Klo 3/4? Herrschaftszeiten! Mir rennt die Zeit weg. Treppe wieder rauf. Und dann … verdammt! Welcher Zug, welcher Bahnsteig? Oh Mann, hätte ich mir das doch gemerkt. Ich renne mit Schmackes wieder in die 3er Truppe rein. Und siehe da … mein Zug ist eben der, der gerade den Bahnhof verlässt. Meine Gesichtszüge entgleisen. 

 

FUCK! 

 

In dem Moment piepst das Handy. „Biste drin?“ „Nö“ „???“ 

 

Der nächste Zug Richtung Roermond geht in genau 7 Minuten ab Bahnsteig 3. Ich habe aber kein Ticket. Das weilt beim Gatten. Kein Thema, ich solle einfach erzählen, was mir widerfahren wäre. Und im Übrigen würde der Zug nur bis Eindhoven fahren. Kein Zug fährt weiter als bis Eindhoven. Da gab es nämlich ein Unglück. Äh … erstmal egal.

 

Gut, dass frau das Handy an der Frau hat: „In 7 Minuten geht ein Zug bis Eindhoven, den nehme ich. Und Deiner fährt auch nicht weiter als bis Eindhoven. Da musste raus. Ich melde mich, wenn ich im Zug sitze.“ 

Aufs Klo muss ich immer noch. Und zwar dringend! Ich habe noch genau 5 Minuten. Also runter zum Bahngleis 1. Irgendwo muss doch dieses verdammte Klo sein. Ich sehe aber keins und es ist auch kein Mensch da, den ich fragen könnte! Menno! Es pressiert! 

 

Da, ein Bauzaun! Ein Bauzaun? Na gut. Meine Rettung!

 

Hinter dem Bauzaun sitzt ein Mann und raucht! 

 

Ich werde wahnsinnig! Ich werde hier und jetzt auf Bahngleis 1 im Bahnhof von s’Hertogenbosch wahnsinnig! 

 

Ruckzuck in Einhoven – dachte ich

Ich gucke mich wahnsinnig um. Kein Mensch auf dem Bahnsteig. Kameras? Keine zu sehen. ICH MUSS! Und zwar jetzt! Und dann ist mir vollkommen egal, ob ich demnächst auf youtube als Wildpinklerin auftauche. Ich veredele „Spoor 1“ des Bahnhofs s’Hertogenbosch auf eine mir ureigenste Weise und flitze dann die Treppe wieder rauf.  

 

Der Zug nach Eindhoven steht schon am Steig. Auf der Anzeige erscheint „Niet instappen“. Wie jetzt? Ich frage einen Schaffner. Doch, doch. Einsteigen.  

 

Hinsetzen, aufatmen. „Ich sitze im Zug nach Utrecht!“ „Was??? Nicht Eindhoven?“ „Doch, wollte Dich nur testen ;-))))))))“ „Boah-ey! Wann kommst Du?“ „16.56 Uhr, Platform 1, müsste schnell gehen, ist ein IC.“ Danke Tante Google. Ich lehne mich zurück. Der Familienzusammenführung scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Bis zu dem Moment, wo ein Schaffner an die Scheibe klopft. „Aussteigen!“ 

 

Wieso das denn schon wieder? Ich erhebe mich. Der Schaffner klopft wieder an die Scheibe. Ich soll sitzenbleiben. Oh Mann! Tausend andere Menschen stürmen den Zug. Mir ist schweineheiß und meine Kehle sautrocken. Endlich setzt sich der Zug in Bewegung … und hält an jedem zweiten Kaff! Ich schwitze und leide und schicke WhatsApp mit dem aktuellen Stand der Dinge.

 

Plötzlich eine WhatsApp vom Kind, das mittlerweile beauftragt wurde, uns in Eindhoven abzuholen. „Mama, können wir mal eben telefonieren?“ Sicher doch. „Äh…. also Freitag, da wollte ich abends noch mal weg und der Touran war nicht getankt und da habe ich Dein Auto genommen.“ „Ja, und?“ „ Also da ist mir einer hinten drauf gefahren.“ Wer mich kennt, weiß, dass abgesehen von Zwei- und Vierbeinern mein rotes Fliwatüt direkt hinter meiner Kamera kommt! Mir rinnt der Schweiß in Strömen, mein Hals fühlt sich an wie die Wüste Gobi, ich bin fix und alle, ich habe einfach keine Energie mich über was auch immer aufzuregen. Dem Kind ist nichts passiert und das ist die Hauptsache. Ich sinke ermattet in die Polster und starre auf die Schuhe meines Gegenübers. 

Boing!

 

 

Mittlerweile trudelt der Zug in Eindhoven ein. Endstation. Mann und zwei Trolleys und ein Rucksack erwarten mich an der Rolltreppe. Das Kind ist auf dem Weg – mit dem Touran.

Jetzt gilt es noch gut eine Stunde am Bahnhof zu warten. Ich habe Durst wie eine Bergziege und zische mal eben einen Liter Wasser weg. Was das zur Folge hat, muss ich nicht erwähnen. Nur … der Bahnhof Eindhoven wird gerade umgebaut. Bis ich eine unschöne Toilettenanlage mit einer Toilettenfrau finde, die um ihren Arbeitsplatz nicht zu beneiden ist, wäre ich fast wieder hinterm oder vorm Bauzaun … Lassen wir das. 

 

Die Wartezeit überbrücken wir mit zwei Kaffee und zwei Wasser. Das Kind trudelt ein und wir machen uns auf den Weg nach Roermond. Schließlich wartet dort – hoffentlich – noch meine Spiegelreflex zur Abholung auf mich. Zuvor hatte ich mich erkundigt, ob da überhaupt noch jemand ist.  

 

Da ist jemand. Zumindest am Kiosk. Ob es wohl auch einen Schaffer oder sowas gäbe. Ja, irgendwo auf dem Gelände. Inzwischen ist der Kaffee durch. Ich muss mal. Und finde … eine Toilette auf der „DEFEKT“ steht. Ich schreie nicht. Nein, ich nicht!!! Ich gehe statt dessen zurück zum Kiosk. Ein zweites stilles Örtchen gibt es nicht, dafür ist der Bahnhof Roermond zu klein. Ich müsse die Straße rüber zu den Cafés.

Schön bunt, aber DEFEKT!!!

Mittlerweile ist mir schwummerig vor lauter Kneifen. Ich watschel mit zusammengepressten Schenkeln ins nächste Café. Klar dürfe ich….das Behinderten-WC ist hinten links. Danke auch! 

Erleichtert trete ich auf die Straße und mache mich auf den Weg zurück zum Bahnhof. Das Kind hat mittlerweile eine Schaffnerin aufgetan, die aber erst einen Oberschaffner suchen muss, der die Fundstücke in seiner Hoheit hat. Wir suchen den Mann. Ich bekomme Durst. Es sind immer noch gefühlte 30 Grad. 

 

Endlich finden wir den Schaffner, der wiederum findet meine Kamera. Ich seufze, das Kind auch. Im Auto liegt noch eine Flasche Gerolsteiner. Gut! Eine Stunde später sind wir zuhause. Wo musste ich wohl als erstes hin?

Genau!

PS: Amsterdam war übrigens superschön!

 

Text & Fotos: Andrea Steffen

Es fährt ein Zug nach nirgendwo (3)

I love amsterdam

 

Tag Zwei. Eines war sonnenklar. Nachdem gestern Anreise und Weiterreise mit einigen Schwierigkeiten versehen waren, würde heute alles glattgehen. Schließlich hatten wir das 3-Day-Amsterdam-Travel-Ticket.
Da kann ja nichts mehr schiefgehen. 

 

Der Bus 199 hielt direkt vor dem Hotel. Wichtig beim Nutzen des Tickets ist, es sowohl am Anfang einer Tour als auch am Ende zu entwerten: “Check-in and check-out when you enter or leave a tram, bus or train.“ Machen wir! Kein Thema. 

Beim ersten Piep nach dem Scannen des Tickets hielt uns die Busfahrerin allerdings direkt an. Sorry, aber mit diesem Ticket können Sie diesen Bus hier leider nicht nutzen. So viel zum Thema „Reisen und Glattgehen“. Also jetzt echt gehen, oder wie? Oder wieder den Shuttle-Bus nehmen zum Flughafen und vor dort mit der Bahn …  

Die Dame hatte ein Einsehen. Ausnahmsweise durften wir mitfahren zum nächsten Knotenpunkt, um von dort mit dem Bus 197 – übrigens den einzigen, den man mit diesem Ticket nutzen kann – bis zum Rijksmuseum zu fahren. 

 

Atmen, Busfahren, rausgucken, atmen, Busfahren, rausgucken… 

 

Der Besuch des Museums hat allerdings für alles bisher vor, in und um Amsterdam herum unerwartet spontan und nicht immer erwünscht Erlebtes entschädigt.
WAS FÜR EIN GEILES MUSEUM!
Imposanter Eingang des Rijksmuseums
Luftige Innenarchitektur
Wunderbare Fensterbilder
Dermaßen geflasht von Architektur, Malerei und sonstigen Exponaten konnten mir sogar die Pokémon-Go Spieler nichts mehr anhaben, die sich praktisch mit auf die Picknickdecke im Vondelpark legten. Ich riet ihnen lediglich, doch mal ein 3-Tages-Amsterdam-Go-Ticket zu erstehen. Damit jagt es sich im Bus 197 – und auch nur in diesem – bestimmt ein wenig schneller.
Über diese Brücke musst Du gehen … zum Vondelpark

 

Wurde vollkommen übersehen von den Pokémon-Go-Jägern
Fortsetzung folgt
PS: Ich vergass zu erwähnen, dass ich am Tag 2 meine Lesebrille verlor. Macht aber nix. Weil ich eh eine neue brauchte.
Verloren

 

Gewonnen
Text & Fotos: Andrea Steffen