Farewell Hobbit

Wenn ein ewig verfressener Kater, der für einen Happen Lachs oder rohe Pute früher fast durch einen Feuerreifen gesprungen wäre, plötzlich keinen Appetit mehr hat, weiß der Verstand Bescheid. Nur das Herz weigert sich.


Hobbit kam zu uns als ein vernachlässigtes, unterernährtes, traumatisiertes Bündel in Handgröße. Gerade mal fünf Wochen alt, an sich viel zu früh für die Abnabelung von der Mutter. Er hatte es schwer in den ersten Wochen. Wir päppelten ihn auf, trugen ihn in Merles altem Dydimos-Tuch herum, um ihm Körperwärme und Bewegung zu vermitteln. Eine Katzenmutter hätte ihn auch ständig abgeleckt, mit der Zunge sein Bäuchlein massiert und ihn immer wieder zum Trinken animiert.

„Farewell Hobbit“ weiterlesen

Corona-Tagebuch – 9. Eintrag

Am Aschermittwoch ist alles vorbei… schunkel, schunkel… Schön wär’s! Zu schön!

Ein Jahr Corona. MannMannMann. Ich erinnere mich noch genau. Am 16.03. 2020 kam der Lockdown, ab 14.03.2020 saßen wir hier zu zweit auf der Couch und guckten in die Röhre. Und heute? Gucken wir wieder.

So ein Mist! Ach, streicht das Letzte. Wir wollen doch alle positiv denken, oder?

Das geht mir sowas von auf den Sack: Positiv denken. Bei mir ist das Glas eh immer halbvoll. Also kommt mir nicht damit. Aber das ist ja nicht das Einzige, was mir mächtig auf die Nerven geht.

„Corona-Tagebuch – 9. Eintrag“ weiterlesen

Morgens Fango, abends Tango

Bitte warten!

„Die ist in Kur“ hieß das früher. Meine Omma war regelmäßig in Kur. In Bad Pyrmont. Es gibt ein paar sepiastichige Schwarzweißfotos, auf denen ich gemeinsam mit meiner Omma, dem Oppa und meiner Mutter vor dem Springbrunnen in Bad Pyrmont zu sehen bin. Ich hatte ein selbstgenähtes Kleidchen und ganz bestimmt Spitzenhöschen an, in die man kleine Mädchen Mitte der 60iger steckte. Süß. Doch, doch, ich war mal süß.

Ich erinnere mich daran, dass meine Omma regelmäßig in Kur fuhr, übrigens immer nach Bad Pyrmont und wir sie dort auch immer besuchten. Jeder bekam einen Becher und durfte sich in der Wandelhalle am Heilwasserbrunnen laben. Igitt. Schmeckte wie eingeschlafene Füße und ich verlangte nach Gerri Zitrone oder zumindest Tri Top und bekam dann wenigstens ein Sunkist.

„Morgens Fango, abends Tango“ weiterlesen

Moin!

Mehr braucht es hier nicht. Moin reicht. Morgens, mittags, abends.

Das ist praktisch und einfach. Wer ‚Moin Moin‘ sagt, sabbelt. So die gängige Meinung. Aber sabbeln die hier oben im Norden nicht?

Doch! Und wie. Die Bäckereiverkäuferin erzählt mir morgens mal eben kurz ihr halbes Lebens. Unser Vermieter ist immer gerne für einen Plausch offen. Seine Tochter auch. Von unserer Dachterrasse beobachte ich, wie ein Nachbar einen Riesentrumm von Surfboad in seinen kleinen Fiat zwängt. 2/3 des Board schauen aus dem Schiebedach.

Er dreht ein paar Runden und meint es würde gehen. Das erzählt er jedem, der es hören will. Und es will jeder aus der Nachbarschaft hören. Einer (ich glaube Ove), gibt seinen Senf dazu, erzählt noch eben von Oma Else ihrer Hüft-OP. Der andere (ich glaube Sönke), erzählt was von Semisinker und Funboard und erstmal ein Jever schlürfen. So geht das ne ganze Weile weiter. Klönschnack.

„Moin!“ weiterlesen

SPO = Sinnlich – Pur – Ohnegleichen

Ich fahre mit der Zunge über die Lippen und mit einem Schwung ist alles da: Salzwiesen, endloser Sandstrand, das Blau von Prielen und Meer, die Schafe auf dem Deich, die unverwechselbaren Pfahlbauten und sogar die nachmittäglich genossene Friesentorte.

Dabei ist die Dachterrasse unserer Ferienwohnung, auf der ich stehe und mich von den letzten Sonnenstrahlen bescheinen lasse, Luftlinie bestimmt 3 km von all dem entfernt.

Ich hatte keine richtige Vorstellung, wie denn Reisen zu Corona-Zeiten sein würde. Ich wusste nur – egal wie – dass ein Tapetenwechsel, eine Luftveränderung und vor allem auch ein Entfliehen von dem tagtäglichen Müssen guttun würde.

Sankt Peter-Ording war dabei das Wunschziel des Gatten, hat er doch vor langer Zeit in der Nähe seinen Grundwehrdienst absolviert und es nicht nach SPO – so die gängige Abkürzung – geschafft. Die Bilder im Internet waren vielversprechend, eine FeWo mit etwas Mühe kurzfristig ergattert. Was für ein Glück!

Nicht nur die geschmackvoll und keinen Wunsch offenlassend eingerichtete Unterkunft. Nein. Vor allem die Möglichkeit überhaupt gerade reisen zu können. Allein der heutige Tag mit einer langen Dünen- und Strandwanderung hat die Seele entknittert. Unsere Tochter schrieb: Ihr seht so erholt aus und das nach drei Tagen. Nun ja, Sonnenbrillen verdecken so einiges, aber es stimmt schon.

SPO ist die reine Spa

Die salzige Luft tief in die Lungen zu ziehen, ist geradezu ein innerliches Thalasso-Clearing. Mit nackten Sohlen über die festen Sandwellen laufen, die das Meer geformt hat, kommt einer Fußreflexzonenmassage gleich. Das 15 Grad kalte Wasser erinnert mich an Kneippsches Wassertreten, Sand und Wind im Gesicht an ein Meeresbrisepeeling und wenn die tiefstehende Sonne dann noch meine Haut warm streichelt, besteht kein Zweifel mehr: Ich werde mich nach diesen beiden Wochen goldig gebräunt, erblondet, mit jugendlicher Energie aufgeladen und faltenrundenen 2 kg plus entweder bei Heidi Klum oder im Dungelcamp einfinden.

Meer macht einfach alles möglich. Oder kann es sein, dass allein der lang vermisste Luxus eines Restaurantbesuchs samt süffigem Vino tinto Einfluss auf meinen coronagestressten Geist genommen hat?

Ich werde das weiter beobachten. Wir haben noch 11 Tage.

Text und Fotos: Andrea Steffen